Berlin : Good bye, Kosmos

Zu Besuch bei der Abschlussvorstellung

Constance Frey

„Das Kosmos ist tot, der Film lebt!“ Filmvorführer Ralf Grämer spricht seine Abschiedsworte mit Nachdruck ins Mikrofon. Fast klingt es heiter. Er und seine Kollegin Birgit Siebert sind vor der letzten Vorführung am Mittwoch in den Saal 1 des Kinos gekommen, um sich vom Publikum zu verabschieden. Von vorne aus versteht sich. Nach der Abendvorstellung schließt das Haus. Donnerstag wird noch die Inventur gemacht, dann geht das Kino in die Hände von Diskothekenbetreiber Olaf Ponesky über. Von seinem Veranstaltungskonzept will der neue Besitzer nichts verraten, nur Filme, das steht wohl fest, will er hier nicht mehr zeigen. Bis jetzt wurde keiner der 27 Angestellten übernommen.

Birgit Sieberts Stimme zittert ein wenig, als sie mit ihrem Kollegen darüber spricht, wie wichtig es war zu kämpfen, „auch, wenn wir verloren haben“. Das Publikum klatscht. Viele sind vorher noch durch den Saal mit den 984 blauen Sesseln gegangen und haben Erinnerungsfotos gemacht.

Evelin Weber und Margit Handke haben sich irgendeinen Film ausgesucht, um von ihrem Kino Abschied zu nehmen. Margit Handke kommt seit ihrer Kindheit hierher. Heute wird die Anfang Fünfzigjährige von ihrer Schwester Evelin begleitet. „Es ist traurig“, sagen beide. Auch Christoph (25) und Matthias (21) Fischer sind gekommen, um ein letztes Mal hier Kinoluft einzuatmen. Matthias Fischer hat ein Vorschauposter für Mai 2006 mitgenommen. Nachdenklich hält er das Souvenir in der Hand.

Während des Films dann, einer Komödie, lacht das Publikum herzlich. Draußen im Foyer sitzen Angestellte und Stammkunden zusammen, ihre Blicke wandern immer wieder durchs Foyer, aus dem mittlerweile alle Poster verschwunden sind. Helga Teichert wischt eine Träne weg, neben Trauer mischt auch Wut mit. Die 49-Jährige hat fast acht Jahre hier gearbeitet. „Man hat die große Anteilnahme an diesem Sterben gespürt“, sagt sie. „So etwas wie hier gibt es nie wieder.“

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