• Gottes Sohn alsein Impulsgeber In der St. Canisius-Kirche ging es ums Ferienende und den Start in den Alltag

Berlin : Gottes Sohn alsein Impulsgeber In der St. Canisius-Kirche ging es ums Ferienende und den Start in den Alltag

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Wie machen die das bloß? Keine Tafel mit Nummern, keine ausgeteilten Zettel und trotzdem greifen die Menschen zum Gotteslob, schlagen zielsicher eine Seite auf und fangen an zu singen. Der Blick schielt zum Nachbarn – aha, Lied Nummer 555 –, irrt weiter durch den imposanten Kirchbau und endlich löst sich das Rätsel: In luftiger Höhe, weit oben über dem Altar, zeigt ein Projektor die Zahl an. Moderne Kirchentechnik also und kein geheimnisvoller JesuitenTrick.

St. Canisius am Lietzensee in Charlottenburg ist die einzige Kirche Berlins, die vom Orden der Gesellschaft Jesu geführt wird. Und die klare Schönheit dieses kubischen Neubaus, der eher an ein Museum für moderne Kunst denken lässt, denn an Gottesdienste, muss ein schwerer Schlag für alle Verschwörungstheoretiker sein, die den Jesuiten auch heute noch finstere Intrigen unterstellen.

Pater Albert Giesener, der Gemeindepfarrer, begrüßt Groß und Klein auf den vollbesetzten Stühlen munter zu einer Art Mischgottesdienst. Soll heißen, die Aufbruchstimmung der Ferien ist zu Ende und der spannende Alltag bei der Arbeit und in der Schule geht wieder los. All das stellt Pater Giesener ins Zeichen der Nachfolge Jesu.

Er erinnert an den Atombombenabwurf auf Hiroshima vor 60 Jahren und an den jüngsten Bombenterror in London und verbindet beides mit der biblischen Geschichte von der Verklärung Jesu (Matthäus 17). „Gerade vor dem Hintergrund dieser Gräuel ist es wichtig, dass Jesus uns ein anderes Menschenbild vor Augen stellt“, sagt er. Nämlich das Bild der Freude, der Liebe und des Friedens. Ein Impulsgeber, eine geistig verändernde Kraft sei der Sohn Gottes gewesen, der jeden auffordert, freundlich und tatkräftig auf andere zuzugehen. Das nimmt gleich eins der vielen Kinder wörtlich und robbt laut plappernd durch die ganze Kirche.

Bei der Einweihung vor drei Jahren fanden sie die 2003 mit dem Berliner Architekturpreis ausgezeichnete Kirche ziemlich gewöhnungsbedürftig, erzählen ein paar alte Damen, aber jetzt sind sie begeistert. So wie Pater Giesener: „Sieben Jahre Kirchbau – das schweißt eine Gemeinde zusammen.“ Gunda Bartels

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