Berlin : Gottes Wort erwärmt die Winterkirche Gottesdienst in der Bekenntniskirche

der Ev. Kirchengemeinde Treptow

Gunda Bartels

Eine Kirche wie ein Ausrufezeichen! Expressiv und wuchtig, eine einzige vertikale Falllinie. Steinernes lutherisches Bekenntnis, 1930 zum 400-jährigen Jubiläum des Augsburger Bekenntnisses gebaut. Und doch ist die Treptower Bekenntniskirche in der Straßenflucht eher zu hören als zu sehen. „Ich hab zuerst das Glockengeläut gehört. Das ist Heimat für mich, wie in Kitzbühel“, sagt Siegfried Knaus. Er wird von Pfarrer Paulus Hecker schmunzelnd als „evangelischer Österreicher“ vorgestellt. Eines von mehreren neuen Gemeindemitgliedern im eher kirchenkühlen Alt-Treptower Kiez.

An diesem eiskalten Sonntag trauen sich nur die härtesten Kirchgänger los und fünfzehn sind durchgekommen. Als Winterkirche dient der Gemeindesaal. In der imposanten, aber unbeheizbaren Kirche oben drüber trotzen Luther- und Melanchthon-Mosaike der Kälte und Leere. An Letztere ist der Pfarrer gewöhnt und füllt die Lücken in den Reihen ohne Scheu und mit kräftiger Stimme. Er ist jung, hat Gottvertrauen und in der präzise orgelnden Musikerin Evelies Langhoff eine verlässliche liturgische Partnerin.

Die Predigt führt in wärmere Klimazonen. Die Geschichte aus dem Alten Testament handelt vom reichen, syrischen Heerführer Naeman aus Damaskus, den der israelische Prophet Elisa vom Aussatz heilt. „Geh im Jordan baden und du bist geheilt.“ So einer einfachen Ansage will der mit Silber und Gold angereiste Naeman aber nicht folgen. Nur weil seine Knechte nicht locker lassen, macht er es dann doch. „Manchmal soll man eben auf seine Untergebenen hören“, sagt Pfarrer Hecker. Er würdigt den ereignisreichen Predigttext als ein Stück orientalischer Erzählkunst mit herzerwärmender Botschaft. Syrer und Israelit, Anhänger verschiedener Götter, Könige und Knechte kommen hier zusammen und überwinden Grenzen und Vorurteile allein durch das Wort des Propheten. Dieses zerbrechliche Wort kann heilen, sagt Hecker, und die Grenze zwischen Gott und den Menschen überwinden. Und das Wort im öffentlichen Gespräch zu halten, ist immer noch das Amt der Kirchen. Vor 15 Leuten und bei minus 15 Grad.

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