Berlin : Gottesdienst in Grunewald, aber keine Gedenktafel am Wohnhaus

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Der kommende Sonntag, 7. November, steht im Zeichen des Gedenkens an eine Familie, die am 6. November 1941 Zuflucht vor nationalsozialistischer Verfolgung im Tod suchte: Der Schauspieler Joachim Gottschalk, seine Frau Meta und der achtjährige Sohn Michael. Sie wohnten in der Grunewalder Straße Seebergsteig 2. Und dort schieden sie auch aus dem Leben.

In der evangelischen Grunewaldkirche wird der Abendmahlsgottesdienst von Pfarrer Olaf Trenn gehalten. Er will anstelle der normalen Liturgie zwischen biblischen Lesungen und Chorälen Texte einflechten aus jener Zeit, "die wir bedenken wollen, um nicht zu vergessen, wozu Menschen unserer Zeit in unserem Lande fähig waren." Meta Gottschalk wurde wegen ihrer jüdischen Herkunft derart bedrängt und bedroht, dass der Familie kein anderer Weg als in den Freitod gangbar erschienen war.

Eine vom Bezirksamt Wilmersdorf einmütig bei den Wohnungseigentümern des Hauses Seebergsteig 2 beantragte Gedenktafel wurde aber abgelehnt. Gründe der Eigentümer wurden nicht genannt. Nun will, wenn die Eigentümer nicht doch noch anderen Sinnes werden, das Bezirksamt eine Erinnerung auf öffentlichem Straßenland vorm Hause anbringen.

Am Sonntagnachmittag wird auf dem Südwestfriedhof in Stahnsdorf am Grabe der Gottschalks eine andere Gedenkveranstaltung stattfinden. Teilnehmer treffen sich 14 Uhr 45 am Haupteingang. Der Senat von Berlin hatte, wie berichtet, kürzlich das Gottschalksche Grab zum Ehrengrab erklärt. Auf der Veranstaltung wird auch der ehemalige Regierende Bürgermeister Klaus Schütz sprechen.

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