Berlin : Gottschalk ehrt die Klassiker

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Sie kommen von weither, unter anderem aus Venezuela, Finnland, Spanien, Italien und England. Am Sonntag wird der Echo Klassik nach elf Jahren zum ersten Mal wieder in Berlin verliehen, und zwei Drittel der insgesamt 60 internationalen Preisträger werden ihre Auszeichnung persönlich entgegennehmen. In das Konzerthaus am Gendarmenmarkt kommen unter anderem der franco-mexikanische Star-Tenor Rolando Villazón, die deutsche Koloratursopranistin Simone Kermes, der lettische Dirigent Andris Nelsons, der australische Geiger Ray Chen, das Artemis Quartett aus Berlin sowie der 75-jährige indische Dirigent Zubin Mehta, der für sein Lebenswerk ausgezeichnet wird.

Nicht anreisen werden hingegen unter anderem die Preisträger Cecilia Bartoli, Hilary Hahn und Lang Lang. Der Echo Klassik wird wie der Echo für Popmusik und der Echo für Jazz seit 1994 von der Deutschen Phono Akademie vergeben, der Musikpreis soll unter anderem junge Talente unterstützen. Wer in einer der 21 Kategorien mit einem Preis geehrt wird, richtet sich nicht nur nach künstlerischer Qualität, sondern auch nach Verkaufszahlen.

Die wohl weiteste Anreise nach Berlin hat Komponist und Sozialaktivist José Antonio Abreu, der aus seinem Heimatland Venezuela anreist und mit einem Sonderpreis für sein soziales Engagement geehrt wird. Abreu hat in Venezuela, wo etwa ein Viertel der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze lebt, ein breites Netz von Musikschulen, Jugend- und Kinderorchestern ins Leben gerufen. „Für die Kinder stellt die Musik fast den einzigen Weg zu einem menschenwürdigen Dasein dar“, sagt Abreu in einem Interview. Armut heiße Einsamkeit, Traurigkeit und Anonymität. Ein Orchester hingegen bedeute Freude, Motivation, Teamgeist und Streben nach Erfolg, sagt der 72-Jährige.

Thomas Gottschalk wird die Preisverleihung im ausverkauften Konzerthaus moderieren, das Konzerthausorchester Berlin wird unter der Leitung seines designierten Chefdirigenten Iván Fischer spielen. Das ZDF zeigt ebenfalls am Sonntag einen Teil der Gala, und zwar ab 22 Uhr. Auch einige Preisträger werden auftreten, neben Villazón und Mehta unter anderem der als „Sänger des Jahres“ geehrte US-amerikanische Bariton Thomas Hampson. Als Nachwuchskünstler werden die norwegische Geigerin Vilde Frang, der italienische Tenor Vittorio Grigolo und die chinesische Pianistin Yuja Wang auftreten.Eva Kalwa

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