Berlin : Goya-Club meldet Insolvenz an 4,5 Millionen Schulden Betrieb geht vorerst weiter

Der Schöneberger Nachtclub Goya hat Insolvenz angemeldet. Das bestätigte der bisherige Chef des Hauses, Peter Glückstein, dem Tagesspiegel am Freitag. Nach Auskunft von Rechtsanwalt Christian Köhler-Ma, Insolvenzverwalter bei der Kanzlei Leonhardt und Partner, belaufen sich die offenen Rechnungen des Unternehmens auf rund 4,5 Millionen Euro. Die Kanzlei war am Freitagvormittag vom Amtsgericht Charlottenburg als Insolvenzverwalter bestellt worden. Leonhardts Team hat sich unter anderem durch die Rettung des Herlitz-Konzerns und die vorübergehende Verwaltung der Tempodrom-Veranstaltungsgesellschaft einen Namen gemacht

Für die Gäste des Goya am Nollendorfplatz wird sich bis auf weiteres nichts ändern, kündigt der Insolvenzverwalter an.

„Der Betrieb wird fortgesetzt, alle gebuchten Veranstaltungen finden statt.“

Peter Glückstein, Erfinder und bis vor kurzem Kopf des Projektes, zeigte sich von dem Schritt „nicht überrascht nach den letzten Tagen, in denen doch einiges passiert ist“. Ende der vergangenen Woche hatte es in der Führungsspitze des Goya mächtig gekracht. Es gab harte Vorwürfe, Wortgefechte, anschließend musste Glückstein zurück in die zweite Reihe treten. Der Aufsichtsrat des finanziell angeschlagenen Unternehmens stellte ihm den Rechtsanwalt Karl-Hinrich Fromm zur Seite. Anlass war, dass der für zwölf Millionen Euro umgebaute Club bereits wenige Wochen nach der Eröffnung an die Grenze der Zahlungsunfähigkeit gelangt war. Die Insolvenz sieht Glückstein nun „als Chance, das Unternehmen weiterzuführen und zu konsolidieren“.

Das ist auch das Ziel der Insolvenzverwalter, die jetzt formal die Führung des Hauses übernommen haben. „Es gibt eine realistische Chance, dass das Goya gerettet wird“, sagt Anwalt Köhler-Ma. So gebe es eine „nennenswerte Nachfrage“ von Firmenkunden und Großveranstaltungen für das Haus, das nach Plänen von Hans Kollhoff umgebaut worden war. Kommende Woche wolle man den 92 Mitarbeitern zumindest eines ihrer ausstehenden Monatsgehälter zahlen, kündigen die neuen Chefs an. Das Nachsehen dürften bei der Insolvenz die Baufirmen haben, die an der aufwändigen Sanierung beteiligt waren. „Die Handwerker werden nennenswerte Abstriche bei ihren Forderungen machen müssen“, sagt Köhler-Ma. Der Großteil der offenen Millionenrechnungen stamme von Baufirmen.

Glückstein ist zuversichtlich, dass sein Projekt noch einmal „die Kurve kriegen“ kann. „Wir müssen die Gläubiger und Mitarbeiter und Aktionäre in gewisser Weise bei Laune halten“, sagt er. Am Freitagnachmittag waren die Insolvenzverwalter im Hause, um den Beschäftigten die neue Situation vorzustellen. AG/lvt

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