Berlin : Grab ohne König

Werner van Bebber

denkt an Tutanchamun im Palast der Republik Eigentlich schade, dass die Reste des ägyptischen Herrschers Tutanchamun nicht in Berlin zu sehen sein werden. Die Mumie wird nach der Bonner Ausstellung in die Vereinigten Staaten geschickt. Außerdem, darauf haben die Bonner Ausstellungsmacher hingewiesen, wäre etwas so Empfindliches wie die Mumie des Pharao im rotten Palast nicht unterzubringen, ohne Schäden zu riskieren. Die realsozialistische Großraumruine als Aufenthaltsort für die Leiche eines mythischen Königs, von dem man noch reden wird, wenn keiner mehr weiß, wer Erich Honecker war – das hätte jene Spannung gehabt, die man in Berlin gut erzeugen und hier an vielen Orten spüren kann. Doch eine Chance, die der Palast theoretisch böte, ist kein Grund, ihn zu erhalten. Tatsächlich genutzt wird er als Objekt mit Event-Charakter, als Sommerplanschbecken für Touristen oder als postsozialistische Versammlungshalle für siegesbewusste Unternehmensberater. Das wirkt alles längst ein bisschen billig.

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