Grabschändung : Knobloch: "Schandtat von Weißensee"

Die Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, hat die Schändung von Gräbern auf dem Jüdischen Friedhof in Berlin verurteilt. Im vergangenen Jahr wurden 30 Jüdische Friedhöfe geschändet, nur vier Fälle wurden aufgeklärt.

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Charlotte Knobloch: Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland. -Foto: dpa

Berlin/HamburgSie sehe in der "Schandtat von Weißensee" eine "unerträgliche Herabwürdigung des Andenkens der sechs Millionen Opfer der Schoah", sagte sie "Spiegel Online" am Mittwoch. Die Übergriffe seien ausgerechnet in der Nacht zum israelischen Gedenktag an die Vernichtung der Juden verübt worden. "Das sieht aus wie das Werk von Menschen, die noch heute der Geisteshaltung des Nationalsozialismus angehören." Der Polizeiliche Staatsschutz des Landeskriminalamtes übernahm die Ermittlungen, da ein politisches Motiv anzunehmen sei, sagte ein Polizeisprecher.

30 jüdische Friedhöfe wurden 2007 geschändet

Unbekannte hatten in der Nacht zum Dienstag sowie in der Nacht zum Mittwoch insgesamt mehr als 40 Grabsteine auf dem Jüdischen Friedhof in Berlin Weißensee umgestoßen. Dies sei kein Einzelfall, warnte Knobloch. Im vergangenen Jahr seien in Deutschland 30 jüdische Friedhöfe geschändet worden, nur vier dieser Taten hätten aufgeklärt werden können.

Auch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) verurteilte die Schändungen auf Europas größtem jüdischen Friedhof scharf. Er rief die Berliner am Mittwoch zur Wachsamkeit auf: "Alle demokratischen Kräfte, Politik, Polizei, aber auch die Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt sind aufgefordert, jeglicher Form des Antisemitismus entschieden entgegenzutreten." Auch Vertreter der Grünen, der Linken und der CDU verurteilten die Taten.

Der 1880 eingeweihte Jüdische Friedhof in Weißensee ist ein bedeutendes Zeugnis deutsch-jüdischer Kulturgeschichte. Hier sind unter anderem die Grabstätten der Verleger Samuel Fischer und Rudolf Mosse, des Journalisten Theodor Wolff, des Malers Lesser Ury, des Industriellen Emil Rathenau, des Warenhausbegründers Hermann Tietz (Hertie) und des Restaurantbesitzers Berthold Kempinski zu finden. Auch der 2001 gestorbene Schriftsteller Stefan Heym wurde hier beigesetzt. (nal/dpa)

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