Berlin : Gräfin Hardenberg des Undergrounds: Lola M. setzt auf Mund-zu-Mund-Propaganda

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Brunnenstrasse 192, Mitte. Die Adresse genießt in der Chronik des Metropolen-Nachtlebens legendären Ruhm: Am Anfang stand das "Glowing Pickles",Vorgänger-Club vom Schmalzwald, dann zog das "Boudoir" in das dritte Quergebäude. Jetzt versucht Lola M., bis vor kurzem noch zuständig für Gästeliste und Abendproduktion im 90 Grad zuständig, die wilden Mitte-Jahre am historischen Ort wiederzubeleben. Der Gräfin Hardenberg des Undergrounds geht die Münchenerisierung des Bezirks deutlich gegen den Strich und deswegen setzt sie gegen Werbung und auf Mund-zu-Mund-Propaganda. Einlass in Lolas erstem eigenen Club gewährt nur ein wöchentlich wechselndes Codewort. Am zweiten Wochenende nach Eröffnung allerdings wurde die frischgebackene Selbstständige zum Opfer des eigenen Anspruchs, "kleine Soirees, nur für Freunde" zu veranstalten. Nur eine sehr auserwählte Schar schaffte es ins Ex-Boudoir und ließ sich von der Gastgeberin zum bewährten Tanz-Musik-Mix aus Trance und House das Konzept für den neuen alten Laden erklären: Eine Mischung aus "Roses", "Kit-Kat" und "90 Grad" schwebt Lola vor. Ein bisschen diffus ist das, sind doch alle drei schwer auf einen Nenner zu bringen. Das rote Rundsofa und die multipel verwendbaren Spiegelbänke auf den Toiletten verleihen dem Ort einen ganz eigenen Schmuddel-Charme. Der halbleere Laden macht Lola keine Sorgen. "Ich habe heute hundert Leute wieder weggeschickt", erzählt sie dreimal hintereinander. "In zwei Monaten sind wir der beste After-Hour-Club der Stadt". Sie ist sich sicher, dass sich die Schönen der Nacht dem Ort auf Dauer nicht verschließen. Wolfgang Joop war schon da, immerhin.

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