• Graffiti fotografiert – vom Zug überfahren 18-Jähriger starb an Unfallstelle. Jugendliche standen beim Knipsen mit den Rücken zu den Gleisen

Berlin : Graffiti fotografiert – vom Zug überfahren 18-Jähriger starb an Unfallstelle. Jugendliche standen beim Knipsen mit den Rücken zu den Gleisen

Tanja Buntrock

Die drei Jugendlichen wollten Graffiti-Kunstwerke unter der Brücke in Höhe der Märkischen Spitze in Marzahn fotografieren – doch dieses Vorhaben endete für einen von ihnen tödlich.

Am späten Sonntagnachmittag betraten die 20, 18 und 16 Jahre alten Jugendlichen das Fernbahngleis und postierten sich „unter einer Brücke, an deren Wände die Graffiti gesprüht war“, sagte ein Polizeisprecher. In diesem Moment nahte ein Zug der „Ostdeutschen Eisenbahn Gesellschaft“ (Odeg), der auf dem Weg von Lichtenberg über Eberswalde nach Frankfurt/Oder war. „Der 18-Jährige stand mit dem Rücken zum Zug und hat ihn zu spät bemerkt. In einer Linkskurve wurde der Jugendliche seitlich vom Zug erfasst“, hieß es bei der Polizei. Er starb noch am Unfallort an seinen schweren Verletzungen.

Der Zug soll mit 100 Kilometer pro Stunde unterwegs gewesen sein, als er den Jugendlichen mitriss. „Der Zugführer hat zwar sofort eine Schnellbremsung gemacht, kam aber dennoch erst nach 300 Metern zum Stehen“, sagte Odeg-Sprecher Andreas Ernst. Odeg nutzt als Privatunternehmen seit Dezember 2004 die Schienen der Deutschen Bahn für Strecken von Berlin-Lichtenberg nach Frankfurt (Oder), Tiefensee und Templin. Der 27-jährige Zugführer kam mit einem Schock in psychologische Behandlung. Der Bahnverkehr auf dieser Strecke war für zwei Stunden unterbrochen.

Die Ermittlungen zum Tod des 18-Jährigen hat die Kripo übernommen. Die Leiche soll obduziert werden. Zudem ergaben die Ermittlungen, „dass die Jugendlichen die Graffiti nicht selbst gesprüht haben“, sagte ein Polizeisprecher. Warum sie die „tags“, wie die Symbole genannt werden, fotografiert haben, sei noch unklar. Den beiden unverletzt gebliebenen Jugendlichen droht eine Anzeige wegen unbefugten Betretens der Gleise, hieß es beim Bundesgrenzschutz (BGS). Bereits am 12. Dezember 2004 war ein 23-Jähriger Sprayer nahe dem Ostbahnhof von einem S-Bahn-Zug erfasst worden. „Damals haben wir neben der Leiche Sprühdosen und eine Kamera gefunden“, sagte gestern ein BGS-Sprecher.

Während des Anti-Graffiti-Kongresses in der vergangenen Woche war eine Diskussion darüber entstanden, ob Graffiti-Sprüher härter bestraft werden sollen. Diese Frage stellte der Tagesspiegel auch in seiner Rubrik Pro und Contra: 93,3 Prozent der Leser befürworten ein härteres Vorgehen gegen die Farbschmierer. Der Bezirk Charlottenburg hat auf den Ärger mit den Farbschmierereien bereits reagiert. Seit vergangener Woche lobt Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler für sachdienliche Hinweise „bis zu 750 Euro für die Bürger aus“. Die Belohnung sei von der Größe der Farbschmierereien abhängig, sagte der Stadtrat dem Tagesspiegel.

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