Berlin : Grand Hyatt - Berlin: Zimmerkunst für viel Gereiste

Bernhard Schulz

Möchte man wissen, wie es in der Suite eines First-Class-Hotels aussieht? In der Regel: eher weniger. Hotels für viel Gereiste Menschen stellen sich mit jener Unauffälligkeit dar, die nach dem Gesetz des statistischen Mittels einer möglichst großen Zahl potenzieller Gäste als angenehm oder gar wohnlich erscheinen mag. Diesem Trend stellen sich nur wenige, meist als Designer-Hotels bezeichnete Herbergen entgegen - immer in Gefahr, nach einer Periode besonderer Attraktivität ebenso schnell und vor allem unerbittlich wieder out zu sein.

Das allerdings wäre schade beim "Grand Hyatt Berlin", dem Luxushaus am Rand des debis-Komplexes südlich vom Potsdamer Platz. Der spanische Architekt Rafael Moneo hat das äußerlich unauffälligste, zugleich aber markanteste Gebäude des ganzen Komplexes geschaffen, der Schweizer Gestalter Hannes Wettstein ihm mit einem durchdachten Ausstattungs- und nicht zuletzt Kunstkonzept ein charakteristisches Innenleben beschert. Davon handelt das vorliegende Buch, das eine Dokumentation einer von vielen Beteiligten geleisteten Anstrengung sein will, zugleich aber eine Ermutigung für Nachahmer. Nicht jeder Betreiber wird sich Kunstwerke von Günter Förg oder Imi Knoebel leisten können - vor allem aber auch nicht wollen, solange die vermeintliche Patina eines "Adlon" den Zuspruch einer Mehrheit findet. Eine anspruchsvolle Minderheit aber wird die distinguierten Zimmer und Suiten des Grand Hyatt vorziehen und die gemalte Aufforderung der Künstlerin Sylvie Fleury im Clubraum des siebten Stockwerkes auch auf sich selbst beziehen: "Be amazing!"

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