Berlin : Granitwürfeltag

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VON TAG ZU TAG

Von Bernd Matthies

Berlin, im Jahr 4115. Archäologen beugen sich verdutzt über neue Funde in den Sedimenten des ehemaligen Lausitzer Platzes: Nach Benzin riechende Glasscherben, regelmäßige Berge von kleinen viereckigen Steinen. Mühevoll wird eine Mauer rekonstruiert, auf der die Worte „Bullenschweine und Faschos r...“ stehen. Völlig neue Belege aus der Endphase der sogenannten Ersten Berliner Republik – aber was bedeuten sie?

Nach langen Diskussionen setzt sich schlielich die Meinung durch, dass das Berlin des beginnenden 21.Jahrhunderts von einer Sekte bewohnt wurde, die ihre Götter in faustgroßen Granitwürfeln verkörpert sah. Alljährlich zum Granitwürfeltag versuchte man, diese Steine mit Hilfe von Benzin zu opfern, wofür allerdings die geeignete Technik fehlte - möglicherweise sei es deshalb zu einer Katastrophe gekommen, die das Ende der Republik bedeutete. Für die Theorie, man sei zu diesem Opferritual auf eigens gezüchteten Bullenschweinen geritten und habe mexikanisches Gebäck, so genannte Faschos, gegessen, fehlen jedoch Belege.

Seltsame Ideen haben die Archäologen der Zukunft. Aber wissen wir Zeitzeugen wirklich mehr über das Ritual des 1.Mai?

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