Berlin : Granteln im Gemüsebeet

Sigrid Kneist

Den Tipp gleich vorweg: Liebe Eltern, wenn Sie einen entspannten Nachmittag mit ihren Kindern verbringen wollen, sparen Sie sich das Geld für teure Tickets in der ersten Reihe, sondern reservieren Sie - sagen wir - frühestens ab der fünften Reihe. Sonst kann es Ihnen nämlich gehen wie Vater Sven, auf dessen Kosten sich bei der Berliner Musical-Premiere von "Pettersson und Findus" Schauspieler und Publikum die gesamte Aufführung hindurch bestens amüsierten. Theater-Macher Christian Berg liebt es nämlich sehr, vor allem die elterlichen Zuschauer zum Mitmachen auf die Bühne zu bitten. Die machen das mit hochrotem Kopf so wie Sven auch brav mit.

Erneut hat Berg, der Kindermusical-Mann aus Cuxhaven, nach "Oh, wie schön ist Panama" und Michael Endes "Jim Knopf" ein Händchen für angesagte Kinderliteratur bewiesen. Die Episoden des schwedischen Kinderbuchautors Sven Nordquist über den wunderlichen alten Pettersson und seinen Kater Findus gehören in vielen Familien zu den Favoriten-Einschlafgeschichten. Die Musik steuerte wie in den vorigen Stücken Konstantin Wecker bei; ein Lied auf der CD zum Musical singt er wieder gemeinsam mit Katja Riemann. Da Wecker aber am Berliner Premierenabend nicht dabei sein kann, verzichtet auch sie auf eine Mitwirkung; dafür steht ihre Tochter Paula in einer kleinen Rolle auf der Bühne des Stella-Musical-Theaters am Potsdamer Platz.

Die Kinder, die teils in ganzen Kita-Gruppen kommen, sind größtenteils Pettersson- und Findus-Experten; die Geschichten "Eine Geburtstagstorte für die Katze" und "Aufruhr im Gemüsebeet" kennen sie in- und auswendig. Deswegen tut Berg wie immer gut daran, sich genau an den Text zu halten. Auch Bühnenbild und Kostüme orientieren sich an den wunderschön gezeichneten Vorlagen aus Nordquists Büchern. Findus, Pettersson und sein Schuppen sehen eben genauso aus wie Findus, Pettersson und sein Schuppen. Und Pettersson (gespielt von Ralph Aschhoff) ist wirklich ein liebenswerter, granteliger Alter, so wie in den Büchern. Ebenso wie Kinderliebling Findus (gespielt von Henriette Grawwert) ein verschlagenes, quirliges Katzenkerlchen ist, wenn auch die Figur leicht überzeichnet geraten ist. Der wahre Findus in den Büchern verfügt über einen subtileren Witz. Die Kinder aber stört es nicht, sie mögen es, wenn es auf der Bühne ordentlich zur Sache geht. Die Melodien sind durchweg eingängig und eignen sich leicht zum Mitsingen. Berg selber führt als Erzähler durch die Geschichte; auch hier würde sich ein Erwachsener vielleicht ein wenig Zurückhaltung wünschen. Aber was soll solche Mäkelei, wenn die Hauptzielgruppe sich dafür gar nicht interessiert und einfach begeistert ist?

Und was für eine Gute-Nacht-Geschichte wünschten sich kleine Musical-Besucher am Abend beim Zubettgehen? Na klar, eine von Pettersson und Findus. Da war man doch gerade richtig auf den Geschmack gekommen.

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