Berlin : Gratis-Tickets bringen Gewinn

Wie die Kulturloge Arme ins Theater holt

Das Prinzip klingt simpel, ist aber hochwirksam. Es heißt „persönliche Ansprache“. Wenn man Arbeitslosen, Geringverdienern oder Grundsicherungsempfängern per freundlichem Telefongespräch eine Theaterkarte schenkt, greifen nicht nur jene zu, die sich Kultur mangels Geld abgewöhnten mussten. Auch von denjenigen, die Kabarett oder Konzert zuvor nie sonderlich interessiert hat, überwinden viele ihre Hemmungen. Und nach dem Besuch fühlen sich so gut wie alle Gäste der Kulturloge Berlin persönlich bereichert. Und genau darauf zielt die inzwischen auch in anderen Städten praktizierte ehrenamtliche Kulturvermittlungsinitiative, die Menschen mit geringem Einkommen durch die Teilhabe an Kultur aus ihrer Isolation holen und wieder ins städtische Leben bringen will.

Dass es funktioniert, belegt eine am Freitag im Maxim-Gorki-Theater vorgestellte Studie der Uni Hildesheim. Die Forscher haben das Verhalten von Berlinern untersucht, die sich bei der vor gut einem Jahr gegründeten Kulturloge registriert haben. Dort vermitteln 56 ehrenamtliche Mitarbeiter inzwischen 4500 Nutzern telefonisch Eintrittskarten. Es handelt sich dabei um nicht verkaufte Tickets, die der Kulturloge von 70 Berliner Spielstätten wie dem Admiralspalast oder dem Zimmertheater Steglitz gespendet werden. Wie groß der Zuspruch ist, zeigt eine Zahl, die die Kulturlogen-Leiterin Angela Meyenburg nennt. In diesem Jahr wurden bereits 7000 Eintrittskarten vermittelt, gegenüber 5000 Plätzen im gesamten Gründungsjahr 2010. „Das Projekt ist ein Geschenk“, sagt Jens Meißner, Sozialamtsleiter in Treptow-Köpenick, der viele Klienten zur Kulturloge schickt. Und Folkert Uhde, Geschäftsführer vom Radialsystem V in Friedrichhain, freut sich, dass die Spielstätten durch die Kulturloge ein neues, ungesättigtes Publikum gewännen, das seine Begeisterung weiterträgt und sich die nächste Karte vielleicht selber kauft. gba

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