Gratis-Wlan : Surfen im Wartehäuschen

Nach Motorola will auch der Stadtmöblierer Wall ein großflächiges Gratis-Wlan anbieten. Tourismuswerber loben die neuen Ideen.

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Öffentlich oder nicht? Klaus Wowereit plant jetzt doch ein kostenloses Wlan-Netz für die Berliner Innenstadt.
Öffentlich oder nicht? Klaus Wowereit plant jetzt doch ein kostenloses Wlan-Netz für die Berliner Innenstadt.Foto: dpa

Wie beliebt der kostenlose Internetzugang per Wlan ist, lässt sich in Cafés und Hotels beobachten, die ihren Gästen sogenannte Hotspots anbieten. Jetzt will der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) ein flächendeckendes Gratis-Wlan in der Berliner Innenstadt erneut prüfen lassen: Beim Besuch im Reinickendorfer Motorola-Werk waren ihm, wie berichtet, neue Lösungen vorgestellt worden. Ob das Projekt damit wieder auflebt, blieb am Donnerstag zwar unklar – doch es gibt auch einen alternativen Vorschlag der Firma Wall.

Senatssprecher Richard Meng sagte, Wowereit habe Motorola zunächst nur versprochen, „zu schauen“, ob sich ein neuer Anlauf lohne. Das solle unter anderem die Stadtentwicklungsverwaltung prüfen. Bisher hatte sich diese gegen das Wlan ausgesprochen, zu Beginn dieses Jahres wurde die Planung gestoppt. Daran erinnert Frank Henkel, Landes- und Fraktionschef der CDU: Wowereit „hätte sich schon vor langer Zeit gegen seine eigene Stadtentwicklungssenatorin stellen und auf die Durchsetzung des Projekts pochen können“. Für Henkel ist ein kostenfreies Wlan ein „wichtiger Standortvorteil“, neben Touristen würden Berliner Unternehmen profitieren.

Christian Tänzler von der Berlin Tourismus Marketing GmbH (BTM) sagte, flächendeckende Internetzugänge seien ein Zeichen für „Innovation und Zukunft“. Vor allem junge Reisende seien es gewohnt, jederzeit gratis oder für wenig Geld im Internet zu surfen und E-Mails zu schreiben. Auch für die Kreativszene sei der unkomplizierte Zugang zum Netz wichtig. Die BTM begrüße daher alle neue Initiativen.

Die Stadtentwicklungsverwaltung lehnt das Wlan mit dem Argument ab, Antennen an Laternen- oder Ampelmasten würden das Stadtbild beeinträchtigen und könnten die Elektronik stören. Diese Bedenken will Motorola-Manager Frank Oliver Pauer nun widerlegen: Tests an Ampeln hätten keine Probleme aufgezeigt. Außerdem sei es inzwischen möglich, mit wenigen Masten auszukommen: Ein Großteil der Technik könne in bestehende Verteilerkästen am Straßenrand eingebaut werden, die zum Beispiel dem Kabelfernsehen dienen.

Erprobt hat Motorola dies in Aachen, wo der Kabel-TV-Anbieter Unitymedia seit Juni ein Wlan mit 13 Hotspots betreibt. Ein Teil der Antennen wurde an Häuser von Kunden montiert. Auch öffentliche Gebäude seien denkbare Standorte, sagt Pauer. Aachen gilt aber nur technisch als Vorbild. Das dortige Wlan deckt nicht die ganze Innenstadt ab und steht nur Unitymedia-Kunden offen.

Die auf Außenwerbung und Stadtmöbel spezialisierte Wall AG geht einen eigenen Weg: Soeben hat das Unternehmen dem Senat angeboten, in der Innenstadt bis Ende 2011 rund 600 neue Wartehäuschen für BVG-Fahrgäste mit Gratis-Wlan zu installieren. Die Kosten sollen durch Werbeflächen an den Häuschen gedeckt werden. Darüber wolle man nun mit den Senatsverwaltungen verhandeln, sagte eine Sprecherin. Die Reichweite eines professionellen Wlan betrage etwa 300 Meter – das ermögliche sei zwar keine völlige Abdeckung der Citybezirke, aber ein großes Netz entlang der Buslinien.

Die Stadtentwicklungsverwaltung sieht eine sinkende Bedeutung von Hotspots, da sich die Mobilfunktechnik immer weiter verbreite und die Preise für Datendienste wie UMTS sinken. Tatsächlich können Deutsche zu Preisen ab rund 2,50 Euro pro Tag eine „Flatrate“ bei Mobilfunkanbietern buchen. Doch Touristen aus dem Ausland zahlen in der Regel deutlich mehr, um drahtlos ins Internet zu kommen. „Wlan ist immer schneller und viel kostengünstiger“, sagt ein Experte der Deutschen Telekom.

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