Berlin : Graubraungrün

Bernd Matthies

über die Kleidungsprobleme unserer Lehrer Es ist schwer, sich für den Job richtig anzuziehen. Gut: Minister tragen Anzug, Polizisten Uniform. Aber schon von einem Zivilfahnder erwarten wir, dass er echt abgerissen aussieht, ein Fahrscheinkontrolleur sollte spießige Alltäglichkeit ausstrahlen, die Frau im Sozialamt nicht gerade mit Prada protzen. Am schwersten haben es Lehrer, männliche Lehrer. Denn entweder machen sie sich fein – dann argwöhnen die Kollegen Karrieresucht. Oder sie demonstrieren ihre Jugendlichkeit durch beutelförmige Jeans und krass fette Turnschuhe – dann werden sie von den Schülern ausgelacht. Vermutlich hat sich deshalb eine Art Lehrer-Uniform durchgesetzt, deren einzige Eigenschaft ist, keine zu haben, graubraungrün getöntes Nichts.

Ach, nun ist es auch wieder nicht recht. Die Schulaufsicht bilanziert das Berliner Abitur und bemängelt, einzelne männliche Lehrkräfte ließen „durch ihr äußeres Erscheinungsbild nicht erkennen, dass ihnen die Abschlussleistung ihrer Schüler von Bedeutung ist“. Ja, müssen wir da fragen, ist sie ihnen überhaupt von Bedeutung? Am Ende, so ist zu befürchten, meint diese Kleidung genau das, was sie aussagt…

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