Berlin : Green-Card: Der erste Computerexperte in Berlin ist eine Polin

Sigrid Kneist

So eine Fachkraft wie Aniela Szulc findet man auf dem deutschen Arbeitsmarkt derzeit kaum. Die 28-jährige Polin hat deswegen eine der ersten Green Cards in Berlin, die die Arbeitsämter seit dem 1. August an ausländische Experten für Informationstechnologien ausgeben können. Mit der Green Card, hinter der sich ein DIN-A-4-Formular mit dem Titel "Zusicherung der Arbeitserlaubnis nach der Verordnung über die Arbeitsgenehmigung für hochqualifizierte ausländische Fachkräfte der Informations- und Kommunikationstechnologie" verbirgt, kann die IT-Fachfrau zum 1. Oktober ihre Arbeit im Siemens-Konzernbereich "Information Communication Mobile" als Netzplanerin für den UMTS-Mobilfunk in Berlin beginnen.

Dem Konzern gehört Aniela Szulc bereits seit vier Jahren an. Direkt im Anschluss an ihr IT-Studium mit dem Schwerpunkt Mobilkommunikation in Posen begann sie ihren Job bei der polnischen Siemens-Niederlassung. Im Rahmen dieser Tätigkeit arbeitete sie auch in Ungarn, bevor sie im Oktober 1999 für ein Trainee-Programm nach Berlin kam - "mit einer abgespeckten Arbeitserlaubnis", wie Katy Haase von der Personalabteilung sagt.

Die Befristung der jetzigen Arbeitserlaubnis stört die polnische IT-Fachfrau nicht: "In so langen Zeitspannen denke ich nicht. Es gibt gute Arbeitsmöglichkeiten überall in der Welt. Fachleute werden nicht nur in Deutschland gebraucht." Ihre Kommilitonen aus Posen arbeiteten inzwischen in aller Welt. Auch in ihrer neuen Abteilung für UMTS-Netze ist man international. In dem 28 Köpfe zählenden Bereich sind derzeit Kollegen aus Dubai, Österreich, Schweden, Norwegen, Tschechien und Polen anzutreffen. Manche sind nur für wenige Monate aus den ausländischen Siemens-Niederlassungen in Berlin. Die Arbeitssprache ist somit zum großen Teil Englisch.

Trotz fehlender Fachkräfte in der Branche wird die Green Card allgemein bislang nur zögerlich nachgefragt: In Berlin wurden in dem ersten Monat seit Inkrafttreten der neuen Regelung erst 16 Arbeitserlaubnisse erteilt, in Brandenburg sogar nur sechs. Dennoch sind die Unternehmen zuversichtlich, dass es jetzt einfacher wird, ausländische IT-Experten ins Land zu holen.

Im Bereich "Information Communication Mobile" bei Siemens sind bis zum Jahresende 100 bis 150 Stellen zu besetzen. Der Konzern will deswegen die Rekrutierungsaktivitäten im Ausland erheblich verstärken, sagt Personalmanagerin Katy Haase. Darauf habe man in der Vergangenheit verzichtet, da man die Leute sowieso nicht ins Land holen konnte. Die bürokratischen Hindernisse waren zu hoch. In manchen Fällen dauerte die Bearbeitungszeit zur Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis bis zu anderthalb Jahren. Haase nennt den Fall eines chinesischen Mitarbeiters, der schon während seines Studiums als Werksstudent für Siemens arbeitete und übernommen werden sollte. Der Aufenthalt in Deutschland war aber an das Studium geknüpft und die Erteilung der Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigung noch nicht in Sicht. Deswegen zog der begehrte Fachmann im Interesse der Firma das Studium mehrere Semester in die Länge, bis die Genehmigungen erteilt waren. "Wir wollten verhindern, dass er wieder zurück nach China geht."

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