Berlin : Green Card: Erst zehn Anträge bei Arbeitsämtern eingegangen

Sigrid Kneist

Bei den Berliner Arbeitsämtern liegen derzeit zehn Anträge auf "Green Cards" für ausländische Computerspezialisten vor. Allein vier IT-Fachkräfte - zwei aus Polen sowie jeweils einen Spezialisten aus Indonesien und China - will Siemens nach Berlin holen. Die Unternehmen der Region interessieren sich insgesamt vor allem für Fachleute aus osteuropäischen Ländern: Bulgarien, Russland, Ukraine und Tschechien.

Darüber hinaus gibt es Nachfragen für China, Äthiopien, Pakistan und Indien, sagt Klaus Pohl, der Sprecher des Landesarbeitsamtes. In Brandenburg waren bis gestern drei Anträge - für einen russischen und zwei indische IT-Spezialisten - gestellt worden. Ausschlaggebend für Firmen sei, dass Experten aus Osteuropa häufig bereits gut Deutsch sprechen, sagt Pohl. Dies sei wichtig unter anderem für die Kundenkontakte.

Das Interesse der hiesigen Unternehmen an der Green Card ist noch eher zurückhaltend. Nach Pohls Angaben hat es bislang rund 60 schriftliche oder mündliche Anfragen von Arbeitgebern gegeben, so dass in nächster Zeit mit weiteren Anträgen zu rechnen ist. Bei jedem Arbeitsamt gibt es jetzt einen IT-Beauftragten, der sich um diese Fälle kümmert.

Einkommen über 100.000 Mark

Wenn alle Unterlagen für einen ausländischen Kandidaten vollständig eingereicht wurden, müssen die Arbeitsämter jetzt innerhalb von einer Woche eine Erlaubnis erteilen. Dabei wird auch geprüft, ob beim Arbeitsamt nicht auch ein für die Stelle geeigneter Bewerber aus Deutschland oder einem EU-Staat registriert ist. Bei den ausländischen Computer-Fachleuten, die keinen Hochschulabschluss vorweisen können, muss zur Erteilung der Green Card das künftige Einkommen über 100.000 Mark liegen.

Bei Berlins größtem Software-Entwickler, der Siemens AG, prüft man derzeit, wie man das Instrument der Green Card einsetzen kann und welche Stellenprofile dafür in Frage kommen. Die Anträge für die jetzt benötigten ausländischen Fachleute hat das Unternehmen allerdings schon vor dem Inkrafttreten der neuen Regelung nach dem bisher geltenden komplizierteren Verfahren gestellt. Jetzt werden auch sie nach den vereinfachten Regelungen bearbeitet. Bei Siemens sind derzeit 100 Stellen in der Software-Entwicklung, in der rund 1000 Menschen in Berlin arbeiten, zu besetzen. Wie Firmensprecherin Ilona Thede sagte, sucht das Unternehmen durchaus auch auf dem deutschen Arbeitsmarkt nach Fachleuten. "Es ist nicht so, dass der Markt komplett leergefegt ist", sagte Thede. "Aber es ist nicht leicht." Als international tätiger Konzern brauche man aber ebenso ausländische Experten mit ihren spezielle Qualifikationen. Beispielsweise sei erst kürzlich ein chinesischer Computerspezialist wegen seiner Kenntnisse des chinesischen Marktes eingestellt worden.

313 offene Stellen

Bei den Berliner Arbeitsämtern sind derzeit 313 offene Stellen im IT-Bereich gemeldet. Denen stehen nach Angaben des Landesarbeitsamtssprechers 1970 Arbeitslose in dieser Branche gegenüber, von denen rund 1400 keinen Hochschulabschluss haben und 300 älter als 40 Jahre sind.

Über den bundesweiten Online-Dienst der Bundesanstalt für Arbeit sind derzeit rund 5500 Bewerber aus der IT-Branche registriert, von denen 80 Prozent aus dem Ausland kommen. Dort sind auch 400 Arbeitgeber zu finden.

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