Berlin : Green Card für Huren gefordert

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Im Luftschloss neben dem Palast der Republik hat sich am Mittwoch der Bundesverband Sexuelle Dienstleistungen e.V. vorgestellt. Der Verein, der zur Zeit nur aus seinen acht Gründungsmitgliedern besteht, versteht sich als klassischer Arbeitgeberverband im weitesten Sinne und als Zusammenschluss selbstständig arbeitender Huren und Callboys. Die Vorsitzende Petra Klee ist nicht nur selbstständig arbeitende Prostituierte, sie zieht außerdem des Nachts von Puff zu Puff, um Arbeitsmaterialien zu verkaufen. Dadurch hätten sich eine Menge Kontakte ergeben, ohnehin sei die Szene seit der Lockerung der Gesetze zusammengewachsen. Da sei die Gründung des Verbandes nur eine logische Konsequenz gewesen. Zu den Mitgliedern zählen außerdem Felicitas Weigmann, die sich vor wenigen Monaten medienwirksam gegen die Schließung ihres bordellartigen Cafés „Pssst“ wehrte. Auch der Besitzer des Hamburger Bordells „Paradise“, Stefan Lindner, hat neben weiteren fünf Berliner Bordellen und dem Bernauer „Club Paradise“ den Verband mitgegründet.

An einer Internetseite arbeitet der Verband zur Zeit. Durch das geschlossene Auftreten erhofft er sich außerdem Rabatte beispielsweise bei Zeitungsanzeigen und Getränkelieferungen. Man werde sich baldmöglichst beim Bundestag um eine weitere Lockerung der Gesetze bemühen, sagt die Verbandsvorsitzende. So träumt man zum Beispiel von einer Green Card für Huren. Gute Transsexuelle seien für dieses Gewerbe in Deutschland schließlich nur sehr schwer zu gewinnen, sagt die stellvertretende Vorsitzende des Verbandes und Betreiberin der Berliner Royal Bar, Petra Kratz. Außerdem wolle man die Prostitution mit einer „Nacht des Rotlichts“ gesellschaftsfähiger machen. Mit wachsender Akzeptanz, so hofft man, werden die Bordelle künftig weniger Spielball der Behörden sein. Das soll Razzien und Gerangel um Konzessionen ausschließen.

Der Bundesverband will ein Informationszentrum mit Arbeitsplatzangeboten einrichten. Eine Akademie ist ebenso geplant wie eine gewerkschaftliche Organisation der Sexarbeiterinnen. Eine erste Zusammenarbeit gebe es mit der Gewerkschaft Verdi, wo sich die Sparte „sonstige Dienstleistungen“ für die Prostituierten verantwortlich fühlt. Gerade arbeitet Verdi einen Musterarbeitsvertrag für Huren aus. Bis zu Tarifverhandlungen sei es jedoch noch ein weiter Weg. Doch, so Klee, man werde ja wohl noch träumen dürfen. Schließlich sei vor 20 Jahren auch eine Änderung des Prostitutionsgesetzes undenkbar gewesen. Annekatrin Looss

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