Berlin : Grenz-Revival

-

VON TAG ZU TAG

David Ensikat verrät, was man

mit der Halbinsel Sacrow machen kann

Man schimpft ja nicht mehr über die DDR, man macht jetzt bunte Fernsehshows daraus. Da kann man doch auch endlich sagen: Gut, dass es die Mauer gab. Denn rund um die Mauer gab es das Grenzgebiet, und Grenzgebiet hieß: Naturschutz pur. Da, wo nicht schon Stadt war, wurde (von ein paar Grenzerbaracken abgesehen) nichts zersiedelt, da wuchs der Huflattich, dass es eine Freude war. Jetzt gibt es ein derart geschütztes Stück Natur, ganz nah der Stadt, zu kaufen: Die Halbinsel Sacrow wird versteigert, Einstiegspreis: 295000 Euro.

Nachdem das unmenschliche, aber grenznaturschützende Honeckerregime zusammengebrochen war und niemand mehr für Ordnung sorgte, wurden hier ein paar Lauben hingestellt, die muss der Käufer stehen lassen. Er bekommt eine Pacht von läppischen 10000 Euro im Jahr dafür. Und darf – Naturschutz heute! – selbst keine Villa mehr dort hinbauen. Was tut man da?

Man besinnt sich der guten alten Zeiten, erklärt den Pächtern, dass man einen Sinn fürs Traditionelle habe und macht die Insel zur GrenzRevival-Zone. Mit Vopo-Kontrollen an den Zugängen, authentisch streng und unbarmherzig. Man stellt Kameras auf und verkauft Schikane-Videos an Ostalgie-Shows, dann rechnet sich das auch. Die Pächter werden, wetten wir?, bald aufgeben und wegziehen. Dann wird’s wirklich wieder sein wie früher zur guten, stillen Mauerzeit. Und Sie machen sich’s im Wachturm gemütlich. Einen Wachturm dürfen Sie bestimmt aufstellen.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben