Berlin : Grenzland

Andreas Conrad

Eine halbverlassene Bahnstation im Nirgendwo, das nervtötende Quietschen eines Windrads, drei abgerissene Gestalten, die auf den Zug warten – man wird, um sich die Zukunft des verödenden Brandenburg vorzustellen, bestimmte Werke der Filmgeschichte zu Hilfe nehmen können, in diesem Fall „Spiel mir das Lied vom Tod“. Denn das versteppende, von allem Zivilisatorischen sich entleerende Land scheint sich immer mehr dem Wilden Westen anzunähern, jedenfalls in den Augen mancher Experten. Das Überleben des Landes , so hat jetzt einer gefordert, könnten „Raumpioniere“ sichern, Menschen also, die bewusst die Leere suchen, um den Preis „hoher Selbstausbeutung“. Das klingt bekannt. Schon einmal ertönte ein solcher Ruf: „Go West, Young Man!“ – der Startschuss zu einer beispiellosen Landnahme, die aus dem Wilden Westen jene blühenden Landschaften machte, die hierzulande nur Versprechen blieben. Unsere Voraussetzungen sind sogar günstiger, Indianer gibt es hier keine, und so bleibt nur die Frage, welche Rolle Berlin dabei spielen wird: Dodge City oder Tombstone.

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