Griebnitzsee : Immer am Ufer entlang

Der Uferstreifen am Griebnitzsee war nach dem Gerichtsurteil so gut besucht wie selten. Anwohner verzichten noch auf die nun rechtlich zulässigen Absperrungen.

Klaus Kurpjuweit

Potsdam - Der Uferweg am Griebnitzsee entlang ist – rechtlich – nach einem Urteil des Oberverwaltungsgerichts keine öffentliche Anlage. Doch faktisch war es dort am Sonnabend auf dem Uferstreifen so voll wie selten zuvor. Fußgänger und Radfahrer waren wie immer unterwegs; Anwohner hatten bis Redaktionsschluss noch darauf verzichtet, den Weg zu sperren, was juristisch möglich wäre.

Auch viele Berliner schlenderten oder fuhren mit dem Rad über die Privatgrundstücke, auf denen der ehemalige Kolonnenweg der DDR-Grenztruppen verläuft. Unter den Uferwegnutzern waren viele, die auch das Fest des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg besuchten, das auf dem Bahnhof Griebnitzsee stattfand, wenige Meter entfernt vom Uferweg.

„Hier feiern und dort sperren – das geht wohl nicht“, sagte Walter Raffauf von der Initiative „Griebnitzsee für Alle“. Er forderte auch die Berliner auf, zum Uferweg zu kommen, um so zu zeigen, dass die Mehrheit wolle, dass der Weg offen bleibe. Auffallend sei, dass seit der Entscheidung der Richter am Donnerstag mehr Schilder mit dem Hinweis auf die Privatgrundstücke aufgestellt worden seien. Geklagt hatten acht Eigentümer, die ihre Grundstücke für sich haben wollen.

Für den Grünen-Europaabgeordneten Michael Cramer aus Berlin liegt der „Skandal“ darin, dass der Bund nach der Wende die Grundstücke verkauft hat, ohne dabei den Uferweg zu sichern. Der Abschnitt gehört zum Mauerradweg, den Cramer initiiert und in einem Buch beschrieben hat. Der Weg an der ehemaligen Grenze um West-Berlin herum gilt inzwischen als touristische Attraktion, mit der Berlin und Brandenburg werben. „Ginge es hier um den Bau einer Autobahn, wären die Flächen längst wieder enteignet worden“, ist Cramer überzeugt. Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) hat aber bereits mit Enteignungen gedroht, falls es nicht gelingen sollte, sich mit den klagenden Anwohnern nachträglich doch noch zu einigen. Die Kläger wollen vor allem ein Radfahrverbot durchsetzen und den Weg nachts abschließen lassen.

Schon lange vor der Gerichtsentscheidung haben einige Anwohner auf ihren Grundstücken Torbogen aufgestellt, die den Spaziergängern und Radfahrern zeigen sollen, dass sie privaten Boden betreten, was bisher aber ignoriert worden war. Vollständige Sperrungen des Weges mussten in der Vergangenheit wieder aufgegeben werden.

Pfiffig hat die Stadt Konstanz bereits vor Jahren ein ähnliches Problem gelöst. Um der Allgemeinheit den Zugang zum Bodensee zu ermöglichen, den Anwohner verwehrt hatten, ließ die Kommune einfach vor dem bisherigen Ufer den See mit Erde aufschütten. So entstand vor den Grundstücken ein neuer Weg. Damit hatten die Eigentümer auch ihren bisherigen direkten Zugang zum Wasser verloren.

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