Berlin : Griff in den Glossen-Ordner

Axel Hacke las in Mitte aus seinen Tagesspiegel-Kolumnen über Zauberkäse und vokalverliebte Finnen

Jan-Martin Wiarda

Wenn Axel Hacke kommt, ist sogar die Leselampe zu Scherzen aufgelegt. Und so neigt sie langsam, aber merklich ihr Haupt, während er in dem dicken Ordner mit Klarsichtfolien blättert. In dem hat er, ganz der Sohn eines Beamten, wie er sagt, seine wöchentlichen Kolumne abgeheftet. „Und was mache ich jetzt?“ heißt sie, setzt sich mit einschneidenden Ereignissen der Woche auseinander und ist jeden Sonntag im Tagesspiegel zu lesen.

Eine Auswahl daraus hat Hacke gestern Abend vor Tagesspiegel-Lesern im Kulturforum C/O in Mitte vorgetragen. Vielleicht wäre auch „inszeniert“ das richtige Wort, denn wenn Hacke zum Beispiel über das PISA-Siegerland Finnland vorliest, dekliniert er gleich ein paar wichtige Vokabeln durch, in gekonnter Aussprache und mit ganz vielen Vokalen. Zur Sicherheit hat er allerdings vorher nachgefragt, ob auch wirklich keiner im Raum Finnisch spricht. Kein Wunder, sagt er, dass die Finnen beim Lesen Weltmeister sind. Da ist es im Winter dauernd dunkel und im Sommer so hell, dass man auch nicht schlafen kann.

Da, die Lampe ist wieder unten, Hacke schiebt sie nach oben, das Publikum freut sich. Beim dritten Versuch hat er die Schraube zum Festziehen gefunden. Weiter geht’s. Hacke erzählt, wo die Ideen für seine Kolumne herkommen: vom vielen Zeitunglesen. „Das ist nichts, worum Sie mich beneiden sollten.“

Da hat er auch von Rudi Völlers Wutausbruch nach dem Island-Spiel gelesen, demzufolge der Teamchef „den Käse nicht mehr hören“ könne. Hacke folgert: Zauberkäse aus dem Kühlschrank war es also, der Völler die Mannschaftsaufstellung eingeflüstert hatte. Kein Wunder, dass die deutsche Nationalmannschaft nicht gewinnt, wenn Völler den Käse nicht mehr hören kann.

Am Ende liest Hacke noch ein wenig aus „Das Beste aus meinem Leben“, das jede Woche im Magazin der „Süddeutschen Zeitung“ erscheint. In dieser Kolumne spiele er die Hauptrolle, sagt Hacke. Wie in seinem Leben übrigens auch. Am Vortag ist er damit schon im Deutschen Theater aufgetreten. Vorlesen ist für einen wie Hacke wirklich nicht das richtige Wort.

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