Grillen in Berlin : Unerwünschte Rauchzeichen

Mehr Kontrollen durch das Ordnungsamt, Grillverbot oder eine "Grillgebühr": Was hilft wirklich gegen vermüllte Parks? Die Bezirke suchen nach Lösungen.

Werner Kurzlechner[Rita Nikolow],Solveig Rathenow
Grillen
Sobald die Sonne ein wenig wärmt, gehört das Brutzeln im Park zur Hauptstadt wie Eis am Stiel. -Foto: dpa

BerlinGereinigtes Gebüsch, leere Abfallkörbe, grüne Liegeflächen: Berlins Parks sind nach der Müllflut der Ostertage wieder sauber. Zwar verhindern kostspielige Putzaktionen wie im Tiergarten (immerhin 16 000 Euro), dass die Anlagen auf Dauer verdrecken, aus der Welt geschafft ist das Problem aber nicht. Schon an den nächsten sonnigen Wochenenden werden Griller wieder Reste hinterlassen. Vorschläge zur langfristigen Verbesserung der Sauberkeit gibt es viele: Längere Kontrollzeiten der Ordnungsamtsmitarbeiter, ein generelles Grillverbot oder auch ein „Grillschein“, den sich Brutzelfreunde gegen Gebühr beim Bezirksamt ausstellen lassen müssen. So könnte zumindest ein Teil der Kosten für die Müllbeseitigung gedeckt werden.

In Lichtenberg, mit vier ausgewiesenen Grillplätzen Spitzenreiter in Berlin, setzt Bezirksstadtrat Andreas Prüfer (Die Linke) auf die „Kollegen in Blau“. Zwar sind die 30 Mitarbeiter des Ordnungsamtes sechsmal täglich unterwegs, aber: „Wir kommen nicht hinterher“, sagt Prüfer. Seiner Meinung nach sind die Arbeitszeiten der Kontrolleure der Lage nicht angepasst. Unter der Woche wird zwar von 6 bis 22 Uhr patrouilliert, am Wochenende aber nur von 8 bis 16 Uhr. Das Personal hat Feierabend, wenn die ersten Freiluftfans ihren Grill aufbauen.

„Wir wollen schon lange, dass die Kontrollen bis Mitternacht ausgeweitet werden, aber der Personalrat stellt sich dagegen“, sagt der Stadtrat. Karsten Bachmann, im Hauptpersonalrat für alle Ordnungsämter Berlins zuständig, sieht das jedoch anders: „Kontrollen von 6 bis 22 Uhr sind ausreichend. Außerdem können Mitarbeiter auch danach auf freiwilliger Basis zum Dienst antreten. Die Bezirke konnten weitere Ausnahmemöglichkeiten bisher nicht richtig begründen.“

Reinickendorfs Bezirksstadtrat Thomas Ruschin (CDU) würde die Kontrolleure vom Ordnungsamt ebenfalls gerne bis 24 Uhr auf Streife schicken. Probleme mit Grillern hat er aber nicht: In seinem Bezirk gibt es seit 2000 keine Grillflächen mehr. Ruschin: „Ein legaler Grillplatz ist eine permanente Müllquelle.“ Er hat die Entscheidung des damaligen Baudezernenten Michael Wegner, alle Grillplätze abzuschaffen, „aus vollem Herzen begrüßt“. Für Stephan von Dassel (Grüne), Mittes Stadtrat für Soziales und Bürgerdienste, kommt dieser Vorschlag nicht in Betracht: „Grillen ist ein wichtiges Freizeitvergnügen für viele Familien, die keinen eigenen Garten haben.“ Die Idee eines Grillscheins ist laut von Dassel „bürokratisch nicht umsetzbar“. Die Lösung seien nur mehr Kontrollen und höhere Bußgelder. Häufigere Überprüfungen am Wochenende wären auch in Mitte problematisch. Für Streifen am Sonnabend oder Sonntag steht den Beamten ein Freizeitausgleich von jeweils zwei Tagen zu. „Das ist quer durch das Jahr nicht zu machen.“

Auch Jens-Holger Kirchner (Grüne), Bezirksstadtrat für öffentliche Ordnung in Pankow, sieht in einem verstärkten Einsatz seiner Mitarbeiter keinen Ausweg. „Alles nur durch Kontrollen lösen zu wollen, das endet irgendwann im Polizeistaat.“ Kirchner appelliert an die Bürger, ihren Müll selbst wegzuräumen.

Pankows Bezirksbürgermeister Matthias Köhne (SPD) denkt, dass zusätzliche legale Grillzonen mit mehr Mülleimern Abhilfe schaffen könnten. Allerdings dürften die Grillplätze nicht zu groß sein. Mit der riesigen Grillzone Mauerpark und Falkplatz – der einzigen im Bezirk – macht Pankow derzeit nämlich schlechte Erfahrungen. Die Beschwerden der Anwohner über die Rauchbelästigung häufen sich. „Wir müssen jetzt darüber diskutieren, ob wir diese Zone wieder aufheben“, sagt Matthias Köhne.

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