Berlin : Grippe: Die letzte Impf-Chance

Tanja Buntrock

Jetzt oder nie. Wer sich noch vor einer Grippeinfektion schützen will, der sollte sich so bald wie möglich impfen lassen. "Es wird höchste Zeit, da es etwa ein bis zwei Wochen dauert, bis der Impfschutz voll aktiviert ist", sagt die Pressesprecherin des Robert-Koch-Instituts (RKI), Susanne Glasmacher. Schon im September hatte das RKI die "Impfsaison" eingeläutet, da in den letzten drei Jahren jeweils im Januar die Grippeimpfstoffe knapp wurden, "weil viele Menschen erst zu spät daran gedacht haben, sich impfen zu lassen."

Besonders, wer zu den so genannten Risikogruppen zählt, sollte eine Grippeschutzimpfung machen lassen. Dazu gehören über 60-Jährige, alle Personen mit chronischen Leiden, wie Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen sowie Menschen, die beruflich viel mit anderen Leuten in Kontakt kommen. Das sind vor allem Beschäftigte im Gesundheitswesen. Bei ihnen ist zum einen das Infektionsrisiko besonders hoch. Sie können beim Arbeiten aber auch die Influenzainfektion auf andere übertragen, in diesem Fall insbesondere auf kranke oder alte Menschen. Die Frage, ob eine Grippeschutzimpfung ebenso für Jüngere, die beispielsweise in Großraumbüros arbeiten, Sinn macht, müsse jeder Arzt im Einzelfall entscheiden. "Auch wer nicht zur Risikogruppe gehört, kann sich gegen Influenza impfen lassen. Die Frage ist nur, ob das die Krankenkassen bezahlen", sagt die Pressesprecherin. Der Arzt müsse entscheiden, ob eine Impfung im individuellen Fall nötig ist.

Gegen normale Erkältungskrankheiten hilft die Grippeschutzimpfung übrigens gar nicht. "Der Impfstoff schützt nur gegen das Grippe-Virus", sagt Glasmacher. "Vielleicht hat mancher das subjektive Empfinden, mit Impfung immuner zu sein."

Obwohl zur Grippeschutzimpfung aufgerufen wird, kann derzeit in Berlin und Brandenburg noch nicht von einer "Grippe-Welle" gesprochen werden, bestätigt das Institut. Zwar sei der Anteil der Patienten mit so genannten respiratorischen Erkrankungen - also Husten, Schnupfen und Heiserkeit - in der letzten Woche des Jahres 2000 um 16,5 Prozent angestiegen, doch "diese Zahl ist nicht aussagekräftig", sagt Glasmacher. Durch die veränderten Praxisöffnungszeiten während der Feiertage blieben viele nicht akut erkrankte Patienten den Praxen fern, so dass diejenigen mit Erkältungskrankheiten überwiegen. "Die Anzahl der Erkältungskrankheiten zu dieser Jahreszeit ist normal", sagt die Pressesprecherin. Also besteht kein Grund zur Sorge. Ob oder wann die nächste Grippe-Welle rollt, darüber mögen die Beschäftigten des Robert-Koch-Instituts nicht spekulieren.

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