Berlin : Grippepillen für fast jeden achten Berliner

Land stellt sich auf eine Influenza-Epidemie ein. Es will einen Arzneivorrat für 400 000 Patienten anlegen

Ingo Bach

Das Land Berlin will einen Vorrat von Antigrippe-Medikamenten kaufen, um so zumindest einen Teil der Berliner Bevölkerung gegen die Auswirkungen einer weltweiten Grippe-Epidemie zu schützen. Am heutigen Dienstag wird der Senat die entsprechende Vorlage der Senatsgesundheitsverwaltung voraussichtlich beschließen. Nach Tagesspiegel-Informationen sollen Arzneidosen zur Behandlung von 400 000 Menschen beschafft werden – also für rund zwölf Prozent der Gesamtbevölkerung. Die Medikamente werden zwischen fünf und 7,6 Millionen Euro kosten.

Mit dem Vorrat folgt Berlin einer Empfehlung von Virologen der WHO und des Robert-Koch-Institutes. Die Experten halten den Ausbruch einer globalen Virusgrippe-Epidemie für wahrscheinlich, bei der Millionen Menschen sterben könnten. Einen Zeitpunkt kann allerdings niemand vorhersagen. Die antviralen Medikamente verkürzen die Dauer der Erkrankung. Auch die Zahl der Komplikationen, wie Lungenentzündungen, lassen sich so reduzieren. Umstritten ist aber, ob die Präparate auch Todesfälle verhindern könnten. Als möglichen Ausgangspunkt einer solchen Pandemie sehen die Fachleute Südostasien an, wo sich immer wieder Menschen mit dem Vogelgrippevirus infizieren. Sollte dieser Erreger eines Tages auch von Mensch auf Mensch übertragbar sein, wäre das eine Katastrophe, sagen Epidemiologen. Denn bis ein passender Impfstoff zur Verfügung stünde, dauere es bis zu sieben Monate. Im Falle einer um sich greifenden Influenza würden in Deutschland schon nach wenigen Tagen mindestens 15 Prozent der Bevölkerung erkranken, schätzen Experten.

Im Pandemiefalle müssten die Arzneien dann aus den zentralen Lagern geholt und schnell an die Ärzte verteilt werden. Denn das Medikament muss binnen 48 Stunden nach dem Auftreten der ersten Symptome eingenommen werden, um überhaupt noch wirken zu können.

Die Ärzte müssen auch auswählen, wem sie das Medikament geben. Denn laut Senatsplanung soll nur die Hälfte der Mitarbeiter des Gesundheitswesens vorbeugend behandelt werden, um ein Zusammenbrechen der medizinischen Versorgung zu vermeiden. Außerdem erhalten Hochrisikopatienten – wie sehr junge und alte Menschen sowie Menschen mit Vorerkrankungen – ihre Medizin aus diesen Staatsreserven.

Der Kaufvertrag mit den einzigen beiden Herstellern der Arzneien – dem schweizerischen Unternehmen Hoffmann LaRoche und dem britischen Konzern Glaxo-Smith-Kline – muss bis Mitte Juli unterzeichnet sein. Neben Berlin werden alle Bundesländer einen Vorrat anlegen. Am Donnerstag beschließen die Gesundheitsminister auf ihrer Konferenz in Erlangen voraussichtlich den Ankauf der antiviralen Medikamente für insgesamt 150 bis 200 Millionen Euro.

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