Berlin : Grönemeyer kommt: Der Stau-Macher

Klaus Kurpjuweit

Tagtäglich stecken die Busse und auch die Straßenbahnen der BVG im Stau. Stammkunden wissen es längst, auf die pünktliche "Beförderung" können sie sich nicht unbedingt verlassen. Einen finanziellen Ausgleich - tagsüber ein Einzelfahrschein und nachts die Übernahme einer Taxirechnung bis zu 50 Mark - gibt es aber nur, wenn die BVG selbst eine Verspätung von mehr als 20 Minuten zu verantworten hat. Am Stau ist die BVG nun aber nicht schuld.

Im Gegenteil. Sie will ihn unbedingt auflösen. Wenn die Busse und Straßenbahnen schnell vorankommen, sind schließlich nicht nur die Fahrgäste glücklich, sondern auch der Verkehrsbetrieb. Er kann dann Kosten in Millionenhöhe sparen, weil er weniger Fahrzeuge und weniger Fahrer einsetzen muss. Mehr Busspuren müssen her und andere Ampelschaltungen, die die Straßenbahn nicht aufhalten, fordert der Verkehrsbetrieb deshalb seit Jahren - und wird dabei auch von den meisten Politikern unterstützt.

Besonders ärgert sich die BVG, wenn sie in Mitte nicht vorankommt, weil am Brandenburger Tor gerade mal wieder demonstriert wird. Vergeblich hat sie bisher Sonderregelungen bei Absperrungen für ihre Busse gefordert. Auch der 100er mit den vielen Touristen an Bord muss dann einen Umweg einschlagen.

Wie jetzt wieder. Dieses Mal wird die Bühne für das Konzert von Herbert Grönemeyer am Freitag auf der Straße des 17. Juni aufgebaut, und der Bereich ist mal wieder abgesperrt. Ärgern dürfen sich aber neben den Autofahrern nur die Fahrgäste der BVG. Der Verkehrsbetrieb selbst muss ruhig sein; er ist dieses Mal selbst schuld am Stau. Die BVG veranstaltet das Konzert als "Dankeschön für die Mitglieder des BVG Clubs und für die Abonnenten". Und das geht nun mal nur am Brandenburger Tor, klar. Sollen die Busse doch bleiben, wo sie wollen!

Ob die Fahrgäste dieses Mal einen Ersatz bekommen, wenn sie im Stau stecken? Der Verursacher steht ja fest. Blöde Verkehrte Gesellschaft.

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