Berlin : Größter Schutz gegen tödliche Viren

Paul Janositz

Das Berliner Robert Koch-Institut (RKI) erhält neben Hamburg und Marburg das dritte Hochsicherheitslabor in Deutschland. "Damit soll die Diagnostik von gefährlichen Erregern auf eine breitere Basis gestellt werden", sagte Susanne Glasmacher, Pressesprecherin des RKI, dem Tagesspiegel. Pläne für den Bau eines Labors der höchsten Sicherheitsstufe vier in Berlin habe es zwar schon vor den Terroranschlägen in den USA gegeben. Die aufkommende terroristische Gefährdung durch Biowaffen habe die Entscheidung jetzt beschleunigt. Die Kosten für das Labor werde das Bundesgesundheitsministerium tragen.

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Web-Link: Robert-Koch-Institut Für gentechische Arbeiten schreibt das 1990 verabschiedete und drei Jahre später novellierte Gentechnik-Gesetz vier Sicherheitsstufen vor. Die höchste Kategorie gilt für Arbeiten, die für Mensch und Umwelt sehr riskant sein können. Darunter fällt der Umgang mit tödlich wirkenden Erregern, beispielsweise dem Pocken- oder Ebolavirus. "Alle Arbeiten mit Bakterien, wie etwa dem Milzbranderreger Anthrax, gehören aber zur Stufe drei", erklärt Glasmacher. Diese Kategorie muss nach den Sicherheitsstandards dann gewählt werden, wenn "ein mäßiges Risiko" zu erwarten ist. Etwa fünf Prozent aller gentechnischen Arbeiten fallen darunter; auch medizinische Forschung mit dem Aids-Virus gehört dazu. Die Labore besitzen eine aufwändige Sicherheitsausrüstung, beispielsweise Schleusen und Abluftfilter. Meistens gibt es ständigen Unterdruck, um den Luftstrom von außen nach innen zu richten. Gefährliche Partikel können dann nicht in die Umgebung gelangen.

Bei Stufe zwei geht man von einer insgesamt geringen Gefahr aus. Die Stufe eins signalisiert, dass keine Gefahr für Mensch und Umwelt vorhanden ist. Für gentechnische Labore dieser Kategorie sind deshalb keine besonderen technischen Sicherheitseinrichtungen vorgeschrieben. Es dürfen jedoch nur Organismen verwendet werden, die keine krankmachenden Eigenschaften besitzen. Dies trifft beispielsweise auf Joghurtbakterien zu. Die meisten gentechnischen Arbeiten - in Bayern etwa drei von vier - fallen unter diese Einstufung.

Der Bau des Berliner Hochsicherheitslabors soll auch die Forschung zur Abwehr von Biowaffen erweitern. Es werde allerdings einige Jahre dauern, bis das Labor einsatzbereit sei, sagt Glasmacher. Direktor Reinhard Kurth sieht sich auch für die Zwischenzeit gerüstet. Das RKI habe sich sogar auf einen Angriff mit Pestbakterien vorbereitet. "Auch für diesen extrem unwahrscheinlichen Fall steht das Krisenszenario, und die Diagnostik ist weitgehend vorhanden", erklärte er. Die Antibiotika-Bestände seien völlig ausreichend. Um die zusätzlichen Aufgaben zu bewältigen, wird das Robert-Koch-Institut auch personell verstärkt und erhält deutlich mehr Geld für andere Ausgaben, sagt Kurth in der aktuellen Ausgabe des Magazins "Focus".

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