Gropius-Bau : Berlin: Ausstellung zu Kunst aus Israel

Eine der berühmten Tempelrollen von Qumran ist von diesem Freitag an in Berlin erstmals außerhalb Israels zu sehen. Die rund 2000 Jahre Tempelrolle gehört zur Ausstellung über israelische Kunst der vergangenen 100 Jahre im Martin-Gropius-Bau.

Berlin (19.05.2005, 17:03 Uhr) - Sie sind der wohl bedeutendste archäologische Fund im heutigen Israel - die bis zu 3000 Jahre alten Qumran-Rollen zählen zu den frühen Texten des christlichen-jüdischen Glaubens und sind für die Bürger des jüdischen Staates von unschätzbarem Wert. Eine der in den 40er und 50er Jahren entdeckten Tempelrollen steht im Mittelpunkt der umfassenden Kunstausstellung «Die Neuen Hebräer - 100 Jahre Kunst in Israel», die am Freitag im Berliner Martin Gropius-Bau eröffnet wird (bis 5. September).

Streng bewacht und im Halbdunkel vor schädigenden Lichtstrahlen geschützt, ist die 3,60 Meter lange hauchdünne Pergamentrolle unter dickem Panzerglas ausgebreitet - eine Lektüre der hebräischen Buchstaben bleibt wohl nur Experten vorbehalten. Erst nach mühsamer Arbeit hatte der Wissenschaftler Yigal Yadin den Text entziffert und damit die Sensation bestätigt: Die Tempelrolle aus dem Jahr 120 v. Chr. gewährt einen Blick auf den frühen jüdischen Glauben, auf die Regeln der Thora, auf Verbote und Gebote. Da wird von Heuschrecken- Plagen und Amtsleuten berichtet, von Riten und Reinheitsregeln. «Es ist unsere Mona Lisa» und ein Schlüssel zur Kultur Israels, wie James Synder, Direktor der Israel Museums Jerusalem vor der Eröffnung sagte.

Die Tempelrolle ist zwar das Juwel der Ausstellung. Doch ist sie nur ein kleiner Teil der mehr als 700 Werke umfassenden Schau von rund 120 Malern, Architekten und Fotografen. Die Präsentation in Zusammenarbeit der Berliner Festspiele und dem Israel Museum in Jerusalem spannt in 15 Kapiteln einen Bogen von der ersten Welle jüdischer Einwanderer nach Palästina Ende des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart.

Neben Werken aus verschiedenen Epochen dokumentiert die Ausstellung die jeweiligen historischen und politischen Ereignisse - vom ersten Zionistischen Kongress in Basel 1897, den Pogromen in Russland bis zum Bau der israelischen Sicherheitsmauer gegen Terroranschläge aus jüngster Zeit.

Im Mittelpunkt der modernen Kunst Israels stehe die Schaffung einer säkulären Kultur, jenseits des traditionellen und religiösen Judentums, wie die Kuratorin Doreet LeVitte Harten sagte. Nicht mehr der «Shtetl»-Bewohner, sondern der Pionier soll die neue jüdische Welt gestalten. Gemälde und Fotos früher Einwanderer, die mit Spaten und Gewehr das Land eroberten, zählen zu den Ikonen israelischer Selbstwahrnehmung. Europäer wie die Bauhaus-Meister Erich Mendelsohn oder Richard Kauffmann, die Tel Aviv in ein Zentrum der modernen Architektur verwandelten, haben das Bild des modernen Israel geprägt. Noch Theodor Herzl (1860-1904) träumte als Begründer des Zionismus von einem Judenstaat als Zweigstelle der Wiener Kaffeehauskultur.

Doch unter dem Einfluss der Juden aus Osteuropa und Afrika wandelte sich das Land zu einer multikulturellen Gesellschaft, wie sie vor allem von den jüngeren Künstlern gezeigt wird. Zwei Räume widmet die Ausstellung dem Holocaust als Auslöser für die Gründung des Staates Israels. Zwei weitere Räume sind dem israelisch- palästinensischen Konflikt und ihrer künstlerischen Verarbeitung gewidmet. Es sind Bilder einer «Verlorenen Jugend», wie der Maler Nir Hod seine weinenden Soldatinnen nennt, Fotos von zerschossenen Militärfahrzeugen oder verängstigten Israelis und Palästinensern, die wenig von dem Optimismus der ersten Siedlergeneration ausstrahlen. (Von Esteban Engel, dpa)

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