Groß-Demonstrationen in Berlin : Alle Räder stehen still

Aus 20 verschiedenen Gründen wurde gestern in Berlin demonstriert: gegen Tierversuche, gegen die Klimaabgabe für ältere Kraftwerke, gegen die Palästinenser-Kundgebung. An mehreren zentralen Orten der Stadt ging deshalb nichts mehr.

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Rund 15.000 Menschen, vor allem Kohlearbeiter, demonstrierten im Regierungsviertel gegen die von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel geplante Klimaabgabe für ältere Kraftwerke.
Rund 15.000 Menschen, vor allem Kohlearbeiter, demonstrierten im Regierungsviertel gegen die von Wirtschaftsminister Sigmar...Foto: Rainer Jensen/dpa

Alles in allem 20 Demonstrationen gab es laut Polizei am Sonnabend, gefühlt waren es mehrere Dutzend. Stundenlang ging es in der Innenstadt nur stockend voran – oder gar nicht. Fast alle wichtigen Straßen waren zeitweise oder dauerhaft gesperrt, da sich mehrere Großdemos ballten.

10.30 Uhr Treptow: Die wenigsten Probleme gab es durch die im Vorfeld umstrittenste Veranstaltung. In der „Arena“ in Treptow, an der Grenze zu Kreuzberg, sammelten sich ein paar tausend Palästinenser. Davor gab es zwei kleine Kundgebungen pro Israel und pro Palästina, die niemanden behinderten. Streit gab es nicht, die wichtige Puschkinallee blieb befahrbar.

12 Uhr City West: So gut hatten es die Besucher der umsatzstärksten Einkaufsmeile nicht. Auf dem Breitscheidplatz trafen sich die Gegner von Tierversuchen zu ihrer jährlichen Großdemo. Sie zogen über den Kurfürstendamm bis zur Uhlandstraße, machten kehrt, über die Tauentzienstraße ging es bis zum Wittenbergplatz, hier wendeten die 1200 Menschen nochmals, um auch die Gegenfahrbahn zu blockieren, zurück zum Breitscheidplatz.

„Empört euch“ stand auf einem gelben Transparent der „Tierversuchsgegner Berlin-Brandenburg“. Mehrere Autofahrer empörten sich auf ihre Weise: Sie hupten. Vor dem KaDeWe warteten um 13.30 Uhr drei Dutzend Menschen auf den Bus. Auf der Leuchtanzeige an der Haltestelle wurde gewarnt: „Auf Grund von Demonstrationen kommt es in der City Ost und West zu Umleitungen und Behinderungen.“ Dass die Linien M29 und M19 über die Lietzenburger Straße umgeleitet wurden, erfuhren die Wartenden nicht.

14 Uhr, Schöneberg: Die Verkehrsinformationszentrale (VIZ) hatte an einigen großen Straßen Displays aufgestellt. „Mehrere Demonstrationen in der Innenstadt – Staugefahr“, leuchtete es an der Urania. Direkt daneben sammelten sich 3800 Türken, um gegen den Begriff „Völkermord an den Armeniern“ zu protestieren. Sie zogen über den Großen Stern zur Straße des 17. Juni. Darüber, dass die Straße wegen einer großen Bühne Richtung Westen ohnehin ganztägig gesperrt war, informierte die VIZ nicht.

14.30 Uhr, Regierungsviertel: Zeitgleich hatten sich 3800 Armenier links des Kanzleramts versammelt, um über Potsdamer Platz und Leipziger Straße in weitem Bogen durch Mitte zu ziehen. Auf der anderen Seite wartete eine Bühne auf 13 500 Gewerkschafter, die von der Invalidenstraße herankamen (siehe Seite 23). Kurz nach 14 Uhr erfasste ein in der Yitzhak-Rabin-Straße wendender Pkw einen Radfahrer. In der Scheidemannstraße schlug der Fahrer eines Dortmunder Reisebusses entnervt aufs Lenkrad. In keiner Richtung ging es mehr voran.

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