Berlin : Groß, gelb, neu

Die BVG hat hundert Doppeldecker gekauft – mit Komfort-Ausstattung

Klaus Kurpjuweit

Jetzt ist er da – der neue Doppeldecker-Bus der BVG. Zumindest die nächsten 16 Jahre können die Fahrgäste damit die Stadt von oben betrachten, sagte gestern BVG-Vorstand Thomas Necker. Seit 1995 hatte das Nahverkehrsunternehmen keine Doppeldecker mehr bestellt; lange war ungewiss, ob der „Große Gelbe“ überhaupt noch eine Zukunft haben wird. Die Zahl ist bereits von einst über tausend auf jetzt 397 gesunken. Mehr werden es auch nicht werden. Denn mit den bestellten 100 Neuen muss die BVG ihre Uraltfahrzeuge ersetzen, die inzwischen viel Geld bei der Unterhaltung verschlingen.

Die neue Generation kommt nicht mehr aus Berlin. Früher wurden die Doppeldecker-Aufbauten bei der Waggon Union in Reinickendorf zusammengebaut. Jetzt entsteht das Berliner Wahrzeichen im Neoman-Werk in Bayern.

Einsetzen will die BVG die Doppeldecker vorwiegend auf den künftigen Metro- und den bestehenden Express-Linien. Damit sollen Fahrgästen, die lange Strecken zurücklegen, möglichst viele Sitzplätze angeboten werden. 83 sind es in den neuen Bussen; hinzukommen 45 Stehplätze. Damit können rechnerisch bis zu 128 Fahrgäste mitfahren - so viel wie noch nie in einem Doppeldecker.

Von außen fällt der Neue vor allem durch die drei Achsen auf. Mit 13,7 Meter ist der Bus auch zwei Meter länger als seine Vorgänger. Der Bus hat eine Klimaanlage und besitzt einen Rußfilter. Nur ein besonderer Außenspiegel fürs Rechtsabbiegen fehlt noch. Durch eine neue Bauweise der Zwischendecke wird das Unterdeck 1,92 Meter hoch, das Oberdeck wächst immerhin auf 1,70 Meter. Beim Halten geht der Bus drei Zentimeter in die Knie, um den Einstieg in das stufenlosen Fahrzeug zu erleichtern. Für Rollstuhlfahrer kann das Fahrzeug um weitere vier Zentimeter abgesenkt werden.

Der Komfort hat seinen Preis. Rund 400 000 Euro wird ein Doppeldecker kosten. Trotzdem ist er nicht viel teurer als ein herkömmlicher Gelenkbus, bei dem die Preise stark gestiegen sind. Inzwischen interessieren sich auch andere Städte wie zum Beispiel Rom für das Berliner Erfolgsmodell – nicht zuletzt, weil viel Werbung auf den großen Bus passt.

Werbefrei kann man den Neuen am Sonnabend von 11 bis 14 Uhr am Wittenbergplatz begutachten. Auch Preise gibt es zu gewinnen. In der Praxis testen lässt sich der Bus ab Mitte August auf den Linien 100 und 200. Verläuft der Test erfolgreich, kann im Sommer 2005 die Serienlieferung beginnen. Eine Option über weitere 100 Fahrzeuge hat die BVG bereits erteilt.

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