Berlin : Groß Glienicker See soll 40 000 Euro kosten

Bund bietet dem Land seine Hälfte am Gewässer an. Der Streit um Uferweg könnte neu beginnen.

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Potsdam - Im vorigen Jahr schaffte es der Vorschlag noch auf die Liste des Bürgerhaushaltes: Die Stadt solle doch vom Bund jenen Teil des Groß Glienicker Sees kaufen, der sich auf Potsdamer Gebiet befindet. Während sich die Stadtverordneten dem Ansinnen anschließen konnten, lehnte die Verwaltung ab. Damalige Begründung: „Es sind keine Bestrebungen der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben bekannt, den See kurzfristig zu veräußern.“ Das hat sich jetzt geändert: Die Bundesbehörde will eigenem Bekunden verkaufen. Allerdings nicht direkt an die Landeshauptstadt: „Wir haben haben dem Land Brandenburg den im Eigentum der BImA stehenden Teil des Groß Glienicker Sees zum Erwerb angeboten“, sagte Dieter Wilbat zuständiger Portfoliomanager. Das Land müsse dann über die Weiterveräußerung entscheiden.

„Das Angebot ist taufrisch und erst seit einigen Tagen im Gespräch“, sagte Jens-Uwe Schade, der Sprecher des Brandenburger Infrastrukturministeriums. Sollte die BImA den See zu ähnlichen Konditionen wie die anderen 65 Seen, dem dem Land angeboten wurden, hätte das Geschäft seinen Charme. Wie berichtet, hatte sich das Land mit dem Bund über den Kauf verständigt. Für 3,74 Millionen Euro erhielt Brandenburg insgesamt 3135 Hektar Seenfläche. Die Gewässer, die zu DDR-Zeiten Staatseigentum waren, gelangten nach der Vereinigung in den Bestand der Treuhandanstalt und später deren Nachfolgeunternehmen über. Jahrelang stritt der Bund mit den ostdeutschen Ländern über die Zukunft der Seen, bis es schließlich eine Einigung gab. Jetzt gehen die Gewässer ins Eigentum des Landes über. Eine interministerielle Arbeitsgruppe ist dabei, die einzelnen Seen in verschiedene Kategorien einzuteilen, um sie Kommunen oder Naturschutz-Organisationen zu übergeben. „Eine entsprechende Vorlage soll in Kürze dem Kabinett vorliegen“, sagte Ingrid Mattern, die Sprecherin des federführenden Finanzministeriums auf Anfrage. Unter den 65 Gewässern ist auch der Fahrländer See im Norden Potsdams.

Nach Worten von BImA-Manager Wilbat soll der Groß Glienicker See dem Land tatsächlich zu denselben Konditionen verkauft werden, wie die anderen Gewässer aus Bundeseigentum. Demnach würde die etwa 33 Hektar große Hälfte des Groß Glienicker Sees rund 40 000 Euro kosten.

Der Groß Glienicker See war zu Zeiten der deutschenTeilung Grenzgebiet. Die eine Hälfte gehört dem dem Land Berlin, das den See als eines der saubersten Bade-, Angel- und Fischereigewässer der Stadt preist. Die Aufgabe zur Pflege und Bewirtschaftung des Sees hat Berlin dem Fischereiamt des Landes übertragen. Die Brandenburger Seite zählt zum Bestand der BImA. Deren Aufgabe ist es, Immobilien und Liegenschaften zu verkaufen, für die der Bund keine Verwendung hat. Dazu gehören unter anderem auch ehemalige Mauergrundstücke am Groß Glienicker See, die Potsdam für einen öffentlichen Uferweg nutzen will. Um diesen dreht sich seit Jahren ein handfester Streit.

Vor diesem Hintergrund hält es Brandenburgs Infrastrukturministeriums für nicht verkehrt, durch den günstigen Kauf der Seehälfte weiteren Gestaltungsspielraum zu schaffen. Die Stadt Potsdam jedenfalls ist nach Angaben ihres Sprechers Stephan Schulz mit allen Seiten im Gespräch. „Wir finden gut, dass der See in öffentliche Trägerschaft kommen soll“, sagt er. Die BImA will das auch: Einen Verkauf an privat schließt die Behörde jedenfalls aus. Peter Könnicke

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