Großbaustellen in Berlin : Wir können alles, sogar pünktlich

Kostenexplosion bei BER, Staatsoper und U 5. Dauert in Berlin alles länger? Ganz und gar nicht. Eine Übersicht von Erfolgsgeschichten.

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Brandenburg baggert. Seit Jahren wird am Autobahndreieck Schwanebeck gebuddelt (das Foto stammt von 2011), jetzt wird hier durchgewischt – fertig!
Brandenburg baggert. Seit Jahren wird am Autobahndreieck Schwanebeck gebuddelt (das Foto stammt von 2011), jetzt wird hier...Foto: dpa

BER? Staatsoper? Die U-Bahn-Linie U 5? Einfach mal vergessen. In Berlin gibt es nicht nur Projekte, bei denen der Zeit- und Kostenplan nicht eingehalten wird. Manchmal klappt’s einfach – vor allem bei den Straßen- und Gleisbauern. Ein Überblick der guten Nachrichten:

Avus und Berliner Ring

Hier wird unter der Regie der Senatsverkehrsverwaltung im Auftrag des Bundes gebaut. Und so gut wie alle großen Reparaturen und Ausbauten sind in den vergangenen Jahren pünktlich fertig geworden. Zuletzt gelang dies beim Ausbau des Berliner Rings A 10 von vier auf sechs Fahrstreifen im Pankower Bereich zwischen den Dreiecken Barnim und Pankow. Die nördliche Richtungsfahrbahn konnte am Mittwoch sogar vorfristig wieder komplett freigegeben werden, teilte die Senatsverkehrsverwaltung mit. Möglich wurde dies auch, weil den Baufirmen wieder ein Bonus für schnelles Bauen versprochen worden war. Und hätten sie sich verspätet, hätte es Abzüge gegeben.

Die Bonus-Verlockung hatte bereits 2012 auf der Avus dazu geführt, dass dort die umfangreichen Sanierungen zwischen der Anschlussstelle Spanische Allee und dem Dreieck Funkturm zehn Monate früher fertig waren als ursprünglich geplant. Und auch der Kostenplan sei weitgehend eingehalten worden, hatte die Verwaltung damals stolz berichtet.

Auch bei der A 10 habe man mit 64 Millionen Euro den Kostenvoranschlag nicht überschritten, teilte die Verkehrsverwaltung jetzt mit. Dabei waren die Arbeiten an dem 5,4 Kilometer langen Abschnitt sehr umfangreich: Sie hatten bereits 2009 mit dem Abriss und Neubau von Straßen- und Bahnbrücken begonnen. Neu entstanden Bauwerke im Verlauf der Hobrechtsfelder Chaussee, für die Fern- und S-Bahn sowie für die Heidekrautbahn und für die Boenkestraße im Verlauf des Fernradwegs Berlin–Usedom.

Anfang 2013 hatte dann der Ausbau der Fahrbahnen begonnen. Auch hier mussten Brücken abgerissen und neu errichtet werden: über die Schönerlinder Straße, den Lietzengraben, die Panke und die Karower Chaussee. Zusätzlich gibt es jetzt auf einer Länge von 1,7 Kilometern bis zu 7,50 Meter hohe Lärmschutzwände. Jetzt muss nur noch die neue Markierung auf der südlichen Fahrbahn angebracht werden.

Ob die Planer und Firmen so gut bleiben, wird sich bald zeigen: Sechsspurig ausgebaut wird noch der 61 Kilometer lange Abschnitt vom Dreieck Pankow bis zur Anschlussstelle Neuruppin. Und auch der Pankow-Zubringer A 114 wird von Grund auf erneuert.

S-Bahn und BVG

Auch der Bahn war es gelungen, Großprojekte wie vorgesehen zu beenden. Dies war bei Sanierungsarbeiten mit monatelangen Sperrungen 2013 und 2015 im Nord-Süd-Tunnel der S-Bahn der Fall. Und auch in diesem Jahr schaffte sie es, Arbeiten auf dem Ring der S-Bahn sowie an den S-Bahn-Gleisen zwischen Lichtenrade und Blankenfelde pünktlich abzuschließen. Auch der Bau eines zweiten Gleises im Bereich Strausberg liege im Plan, sagte ein Bahnsprecher. Dies gelte auch für die Arbeiten auf der Stadtbahn zwischen Friedrichstraße und Zoo/Charlottenburg. Zwischen Charlottenburg und Zoo können seit Mittwoch wieder Züge fahren, der gesamte Abschnitt werde nach derzeitigem Stand wie geplant am 2. November wieder befahren werden können, sagte der Sprecher. Auf den Punkt fertig geworden war auch der Zubringer zum BER-Bahnhof unter dem Terminal, obwohl es lange so aussah, als komme die Bahn verspätet an. Sogar beim Rohbau für das Abfertigungsgebäude waren die Flughafenplaner ja einst noch im Zeitplan.

Auch die BVG hat die meisten ihrer Großprojekte bei der U-Bahn im Zeitrahmen fertigstellen können. Auch jetzt sei man bei den Arbeiten am Gleisdreieck „im Plan“, sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz. Hier soll die Sperrung zwischen Gleisdreieck und Wittenbergplatz am 23. November aufgehoben werden können.

Schloss, City Cube und Total-Turm

Darauf gewettet hätte wohl kaum jemand: Auch der Schlossbau fürs Humboldt-Forum ist – noch – im Zeit- und Kostenplan. Wie auch die Arbeiten am Bettenhochhaus der Charité. Da die Baumaßnahmen aber noch ein Jahr dauerten, sei man mit Prognosen zurückhaltend, sagte Bauchef Christian Kilz jetzt dem Tagesspiegel-Magazin „Köpfe“. Auch beim „City Cube“ der Messe hielt man den – geänderten – Terminplan dann ein.

Bei privaten Bauten läuft’s häufig nach Plan. „Da wir schon Mietverträge vor Abschluss der Arbeiten abschließen, können wir uns Verzögerungen gar nicht leisten“, sagte Markus Diekow von CA Immobilien, einem Spezialisten für Büroimmobilien. Und dann ist er gar nicht zu bremsen. Pünktlich waren oder sind der Bau des Total-Turms, des Intercity-Hotels und des John-F.-Kennedy-Hauses am Hauptbahnhof. Ebenso wie die Vertriebszentrale von Mercedes Benz am Ostbahnhof. Und und und … so geht’s auch.

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