Großbrand bei Bernau : Löscharbeiten dauern an

Die Löscharbeiten auf der brennenden Mülldeponie in Bernau nahe Berlin werden auch in den kommenden Tagen andauern.

Bernau (11.09.2005, 18:19 Uhr) - Am Sonntag gelang es der Feuerwehr, ein etwa 30 mal 50 Meter großes Stück mit Schaum sowie Erdreich zu bedecken. «Mit dieser Taktik machen wir weiter, um den Rauch einzudämmen», sagte der Sprecher des Landkreises Barnim, Christian Trill. Die Arbeiten würden aber noch mehrere Tage andauern. Auf dem Gelände einer Recyclingfirma waren in der Nacht zu Samstag rund 15 000 Tonnen Gewerbemischabfälle, darunter Plastik, Holz und Verpackungsmaterial, in Brand geraten. Die Ursache des Großfeuers ist noch unklar.

Von der Rauchwolke, die durch leichten Nordostwind auch nach Berlin trieb, geht nach Auskunft der Behörden aber keine Gefahr für die Gesundheit aus. Anwohner sollten dennoch Fenster und Türen geschlossen halten, hieß es. «Obwohl die Geruchsbelästigung sehr stark ist, zeigten die bisher durchgeführten Messungen keine Gesundheitsgefährdung an. Alle gemessenen Werte liegen unterhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Höchstgrenzen», teilte die Stadt Bernau mit. Kontrolliert wurden die Belastungen durch Stickoxide, Ozon und Feinstaub.

Auch für die Berliner stellt der Rauch nach Behördenangaben keine Gefahr dar. «Der Geruch in der Stadt ist schlimmer als die tatsächliche Belastung», sagte eine Sprecherin der Gesundheitsverwaltung. Viele Menschen klagten in der Hauptstadt über einen eklig süßen Gestank. Zeitungsberichten zufolge wurden in dem Rauch 43 verschiedene chemische Stoffe festgestellt, darunter Benzole, Styrole, Phenole und Naphthalin.

Das Landeskriminalamt (LKA) nahm Ermittlungen zur Brandursache auf. Die Zahl der 150 Einsatzkräfte aus Brandenburg und Berlin sollte um weitere 50 erhöht werden. Zudem sollte eine zusätzliche Löschwasserleitung gelegt werden. Das Firmengelände und die Zufahrtsstraße wurden gesperrt.

Am Sonntagabend sollte entschieden werden, ob in einer in der Nähe befindlichen Grundschule an diesem Montag unterrichtet wird. Die nur wenige Kilometer nördlich der Berliner Stadtgrenze gelegene Kommune hat ein Bürgertelefon eingerichtet. Die Menschen interessierten sich vor allem für die Schadstoffbelastung und den Schulbeginn, sagte eine Sprecherin.

Der Brand wurde auch durch den Regen, der in der Nacht zum Sonntag in der Region einsetzte, nicht schwächer. Zudem legte sich durch die Verbindung von Rußpartikeln und Regen ein schmieriger Belag über die Straßen. Die Polizei rief Autofahrer auf, in der betroffenen Region auf den Autobahnen A 10 Berliner Ring und A 11 Berlin-Stettin (Szczecin) an der Abfahrt Bernau-Süd, der B 2 und im Bernauer Stadtgebiet, vorsichtig zu fahren. Der Regen drücke die Rauchschwaden zu Boden, was zudem die Sicht einschränke, sagte eine Sprecherin.

Nach Angaben der Polizei handelt es sich bei dem betroffenen Betrieb um eine Recyclingfirma, die in Bernau erst kürzlich eine Schaben-Plage verursacht haben soll. In den vergangenen Monaten hatten Bewohner einer Siedlung in der Nähe über Schabenbefall geklagt und deshalb eine Bürgerinitiative gegründet. Trill sagte, Fahrzeuge, und Einsatzkräfte, die das Gelände verließen, müssten sich einer gründlichen Reinigung unterziehen. Nach Zeitungsberichten drängen tausende Schaben aus dem brennenden Müll ins Stadtgebiet.

Fachleute für Schädlingsbekämpfung vermuten, das sich die Tiere vom Gelände der Recyclingfirma ausgebreitet haben könnten. Das Landesumweltamt hatte die Firma vor dem Brand aufgefordert, ihre Müllberge zu verringern. In Bernau hatten bereits im Frühjahr Abfallberge in einer anderen Anlage gebrannt. Die Löscharbeiten hatten fünf Tage gedauert. Brandenburgs Umweltminister Dietmar Woidke (SPD) bot während seines Besuches im Krisenstab Hilfe bei der Auswertung von Messungen an.

Das Bürgertelefon hat die Rufnummer: 03338/3650. (tso/dpa)

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