Berlin : Große Klappe, großes Herz

Gerd E. Schäfer alias Maxe Baumann kannten alle TV-Zuschauer in der DDR. Sein Sohn schrieb ein Buch über den Komödianten.

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Ganz der Vater! Wie oft hat er das in den letzten Jahren gehört, immer wieder. Kein Wunder. Denn der Sohn Alexander ist, wie man so sagt, dem Vater wie aus dem Gesicht geschnitten. Und den Vater kennt jeder, besonders zwischen Ostsee und Thüringer Wald. Gerd E. Schäfer war in der DDR ein bekannter Kabarettist und Schauspieler, er verkörperte gewissermaßen den Prototyp des Berliners, wie man ihn sich vorstellt: große Klappe, großes Herz. Stilles Lächeln über sich und die Welt, Mutterwitz, Schlagfertigkeit. Das Berlinern schien diesem Wolfgang Gruner des Ostens angeboren, kauzig war er, traf mit seinen Pointen direktemang ins Schwarze. So spielte er im Distel-Kabarett seine Solonummern, die allein schon das Eintrittsgeld wert waren.

Im Jahr 1969 wechselte Schäfer zum Schauspielensemble des Fernsehens. Hier wurde eine Serie erfunden, in der er den Maxe Baumann mimte. Das war ein schnurrbärtiger Rentner, der, schnoddrig, aber mit Herz, einen Menschen spielte, der sich nicht vom Arbeitsleben verabschieden wollte und konnte, sich überall einmischte und so manch komische Situation heraufbeschwor. Jahrelang zu Silvester gabs einen neuen Maxe Baumann mit so bekannte Schauspielern wie Helga Hahnemann, Rolf Herricht, Margot Ebert, Herbert Köfer.

Schäfer war der Held, der alles gut machen will, aber nur Verwirrung stiftet und es am Schluss trotzdem immer wieder hinbekommt, dass alle zufrieden sind – „viel Wortwitz, etwas Klamotte, und ganz viel Können bei allen machten den Max zur Silvesterglücksrakete“, schreibt jetzt der Sohn von Gerd E., Alexander G. Schäfer, in seinem Erinnerungsbuch „Vorhang auf: Gerd E. Schäfer“. Darin schildert er, witzig, liebevoll und kenntnisreich, die Lebensgeschichte des Volksschauspielers, der am 14. Juli 1923 als Sonntagskind in Neukölln zur Welt kam und mit dem Namen Gerhard Kurt Egilhard Schäfer gesegnet wurde. Am 20. September 2001 starb der Schauspieler, sein Tod war eine Erlösung von Krebs und Alzheimer.

Noch heute werden die Geschichten von Maxe Baumann, manche Sketche, Kabarettszenen und Folgen der Serie „Praxis Bülowbogen“ im Fernsehen gezeigt, und Sohn Alexander hatte das Gefühl, dass er viele Fragen, die ihm immer wieder zu seinem Vater gestellt werden, mit einem Schlag in einem Erinnerungsbuch beantworten könnte. Schäfer junior hat außer dem Aussehen eine Menge vom Vater geerbt. „Schauspieler, Kabarettist, Moderator und Autor“ steht auf seiner Visitenkarte: Jetzt spielt er in der Komödie Dresden oder geht mit dem Programm „Schäfers Stündchen“ auf Tournee, „Elf Mann im Abseits“ heißt ein aktuelles Stück mit elf Einaktern und Musik, das Alexander G. Schäfer für den Fußballclub Dynamo Dresden schreibt und das dort im Sommer im heimischen Stadion aufgeführt werden soll. Am Buch über seinen Vater hat er neun Monate gearbeitet, Gerd E. Schäfer hat viel über sein Leben in Krieg und Nachkrieg auf Tonbändern hinterlassen, Sohn Alex hat das Buch nicht als Historiker geschrieben, sondern als liebender Sohn mit Stolz auf seinen Vater. Der „war lustig, voller Eigenarten, meistens mit Witz und Charme, eine Knallcharge de luxe – und dennoch eigentlich ein ernsthafter Mensch“.

Alexander G. Schäfer: „Vorhang auf: Gerd E. Schäfer“, Eulenspiegel-Verlag, 224 Seiten, 16,95. Buchpremiere am Dienstag, 21. 2., 19.30, Theater Habbema, Prenzlauer Berg, Mülhauser Straße 6.

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