Berlin : Große Pläne, kleine Taten

Am Breitscheidplatz kommen die Bauvorhaben nicht voran. Büros stehen leer

Christian van Lessen

Am Breitscheidplatz stehen offensichtlich viele Büros leer, denn an den Fassaden der umliegenden Häuser hängen immer mehr Vermietungsplakate. Sie hängen am Europa-Center, an den Gebäuden des „Zoobogens“ an der Budapester Straße, selbst über der Kantstraße am Schimmelpfeng-Haus, das eigentlich längst totgesagt ist, weil es für ein Hochhaus abgerissen werden soll. Die großen Bauprojekte kommen nicht voran. Umbauten sind allerdings im Einkaufsbereich des Europa-Centers geplant, auch bei gegenüberliegenden Geschäftshäusern an der Tauentzienstraße.

Im kleinen Foyer des großen Europa-Centers, das seinen Büroturm „Office Tower“ nennt, fällt eine Tafel auf, die viel zu groß erscheint für das, was auf ihr zu lesen ist: Sie verzeichnet die wenigen Mieter des Büroturms. Das in den sechziger Jahren gebaute Hochhaus, Markenzeichen des Wiederaufbaus der City am Breitscheidplatz, steht mindestens zur Hälfe leer.

Christian Pepper, der Hausherr des Centers, will den traurigen Eindruck leer stehender Büroetagen „nur ungern bestätigen“. Leerstand gäbe es überall in Berlin, die Vermietungslage sei im Augenblick sehr schwierig. Aber das Europa-Center werde noch attraktiver, deshalb wolle man in Kürze im Shoppingbereich etwas umbauen. So werden beispielsweise die Flächen des Mövenpick-Restaurants neu gestaltet, verbunden mit „kleinen Veränderungen der Fassade am Breitscheidplatz“. Im April soll die Schönheitskur beendet sein. Innerhalb des Hauses sind bereits einige Geschäfte umgezogen, in den einstigen Kino-Räumen des Royal-Palastes wird Mode verkauft. Noch hängen an der Fassade alte Filmplakate, was viele Passanten irritiert, weil sie das Kino suchen.

Auf der gegenüberliegenden Seite der Tauentzienstraße wird in Kürze auch kräftig um- und neugebaut und abgerissen. Klaus-Dieter Gröhler (CDU), Baustadtrat von Charlottenburg-Wilmersdorf, bestätigt, dass die neue Düsseldorfer Eigentümergesellschaft des Salamanderhauses innerhalb des Gebäudes Umbauten plant und die Arkaden wegfallen. Das „Stiller“-Haus daneben, das stark an die fünfziger Jahre erinnert, wird im Frühjahr bis auf die denkmalgeschützte Fassade abgerissen. Dahinter entsteht ein Neubau. Bei einem weiteren alten Nachbarhaus soll die Fassade saniert werden, im Erdgeschoss und im ersten Stock entstehen moderne Ladenflächen.

An eine Sanierung und Umbauten, wie bereits vor Jahren angekündigt, ist im „Zoobogen“ (der flache Teil war einst als Bikini-Haus bekannt) an der Budapester Straße vorerst nicht zu denken. Die Bayerische Immobilien AG hatte das denkmalgeschützte Bauensemble mit zwei Hochhäusern vor zwei Jahren erworben und Umbau und Sanierung angekündigt. Gröhler spricht von einem „gewissen Stillstand“. In der Ladenzone haben sich viele Billigläden angesiedelt, immer mehr Büros stehen leer. Etliche Mieter sind wegen der unsicheren Aussichten ausgezogen. Die Pläne für ein „Themenhotel“ mit Zoo-Bezug seien nicht vom Tisch, versichert die Eigentümergesellschaft. Details könne man aber nur mit späteren Nutzern entwickeln, und die habe man leider noch nicht gefunden.

Deshalb stockt seit 15 Jahren auch die Planung für das „Zoofenster“-Hochhaus an der Ecke Hardenbergstraße und lässt vermutlich auch das geplante Hochhaus der Firma Casia auf dem Grundstück des Schimmelpfeng-Hauses auf sich warten. Das alte Gebäude über der Kantstraße wird auch das neue Jahr garantiert überstehen. Hier werden wieder Büroräume angeboten, sogar eine Fassadenreinigung ist geplant.

Geschäftsführer Ekkehard Liebig von der Casia-Immobilienmanagement sagt, dass der Bauantrag für das Hochhaus vermutlich im nächsten Monat eingereicht wird, zum Jahreswechsel könne mit der Baugenehmigung gerechnet werden. Mit dem richtigen Bauen werde man aber erst beginnen können, wenn zumindest für eine große Teilfläche ein Nutzer gefunden ist.

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