Berlin : Große Show im Gefängnis: Häftling hatte Schlüssel geklaut

Vier Monate mehr für 28-Jährigen, der beim Hofgang randalierte

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Sein Wärter war zutiefst erschrocken, die Mithäftlinge johlten: Häftling Waldemar C. hatte sich nach einem Hofgang den Schlüsselbund eines Beamten gegriffen und war durch die Zellentrakte Richtung Freiheit geeilt, die er alle einzeln aufschließen musste.

Nach diesen großen Sprüngen im Juli 2002 Jahres tippelte er gestern mit Mäuseschritten in den Gerichtssaal – an Händen und Füßen gefesselt. Vorsichtshalber. Damals hatten nämlich vier Beamte zu tun, bis er wieder eingefangen war.

Doch der 28jährige Pole saß ganz brav auf der Anklagebank und entschuldigte sich für sein Verhalten. Er habe „spontan“ nach den Schlüsseln gegriffen. „Ich saß monatelang in Untersuchungshaft, völlig isoliert.“ Seine Vorstellung brachte den anderen viel Spaß und ihm viel Applaus. Vom Hof 13 der Justizvollzugsanstalt Moabit türmte er bis zum Hof 1. Dort sprang er auf eine Tischtennisplatte und ließ sich wie ein Sieger feiern. Schließlich hatte er mit dem Schlüssel eine ganz besondere Trophäe zu bieten. Das wollte er auskosten und ließ sich nicht einfangen. So heftig wehrte er sich, dass schließlich vier Beamte zugriffen und ihn in der Waagerechten zurück in seine Zelle trugen.

Angeblich wollte Waldemar C. auch gar nicht fliehen. Er wisse, dass das Tor in die Freiheit elektronisch gesichert sei, sagte er. Nach seiner Show verging ihm allerdings erst einmal das Lachen. „Ich bekam einen Monat besonderen Arrest.“ Und danach wurden ihm zehn Monate lang Handschellen angelegt, wenn er, für den ohnehin erhöhte Sicherheitsvorkehrungen galten, für eine Stunde in den Hof durfte. Armer Knacki Waldemar C.? Nicht ganz. Inzwischen ist er als Mitglied einer Bande von Zigarettenschmugglern zu acht Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden.

Der Amtsrichter hatte für den Drang nach Freiheit zwar irgendwie Verständnis. „Nach dem Auftritt auf der Tischplatte hätte aber Schluss sein müssen“, hieß es im Urteil. Wegen Widerstands bekam der Pole einen „Nachschlag“ von vier Monaten Haft. Waldemar C. nickte und tippelte aus dem Saal. Das war ihm der Spaß wohl wert. Und nach Hause zieht es ihn ohnehin nicht. Dort wird wegen Mordes gegen ihn ermittelt. K. G.

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