Berlin : Große Stau-Offensive mit dem grünen Pfeil

Verkehrssenator Strieder lässt 4200 Kreuzungen auf Eignung prüfen

Werner Schmidt

Stadtentwicklungssenator Peter Strieder setzt auf den Grünen Pfeil. Bis Ende März nächsten Jahres werden alle 4200 Kreuzungen und Einmündungen in der Stadt auf ihre Eignung für den grünen Rechtsabbiegerpfeil überprüft. Über 20 geeignete Kreuzungen sind angeblich schon gefunden, aber eine offizielle Liste gibt es laut Stadtentwicklungsverwaltung noch nicht. Erst eine Kreuzung wird von der Polizei genannt: Lewishamstraße/Wilmersdorfer Straße.

Insgesamt 155 Grüne Pfeile gibt es derzeit in der Stadt, aber die Zahl schwankt. Erst vor wenigen Tagen wurde ein Pfeil in Köpenicker Schlossplatz demontiert. Auch die Pfeile an der Jerusalemer/Leipziger Straße und an der Straße der Pariser Kommune/Karl-Marx-Allee wurden abgebaut – zu viele Unfälle. Einer internen Verwaltungsvorschrift zufolge werden die Verkehrsschilder demontiert, wenn an einer Kreuzung aufgrund des Pfeils zwei oder mehr Unfälle mit Verletzten oder fünf mit Sachschaden innerhalb von drei Jahren registriert werden. Nach Angaben der Verkehrspolizei ignorieren immerhin rund 60 Prozent der Autofahrer das Haltegebot vor einem Grünen Pfeil. Würde dieses befolgt, könnten ein Großteil der Unfälle vermieden werden. Wer an einem Grünen Pfeil abbiegt, ohne zuvor gestoppt zu haben, wird wie ein Rotlichtsünder bestraft: Mindestens 50 Euro Bußgeld und Punkte in Flensburg. Da Verkehrssünder immer wieder behaupten, sie hätten doch angehalten, kontrolliert die Polizei die Haltepflicht zunehmend mit dem Einsatz von Videokameras und dokumentiert die Verfehlungen.

Der CDU-Verkehrsexperte Alexander Kaczmarek begrüßt die Initiative der Senatsverkehrsverwaltung. Für ihn ist der von der DDR übernommene Grüne Pfeil, der 1994 in die bundesdeutsche Straßenverkehrsordnung übernommen wurde, eine „pfiffige Erfindung“, mit der der flüssige Verkehrsfluss gewährleistet werden könne. Kaczmarek hatte Strieder zehn Kreuzungen für den Abbiegefehler genannt. Ob außer der Kreuzung Lewishamstraße/Wilmersdorfer Straße noch weitere Vorschläge aus der Kaczmarek-Liste den Sicherheitskriterien der Senatsverwaltung standgehalten haben, ist nicht bekannt.

Denn bei der Installierung neuer Abbiegefehler steht die Sicherheit an erster Stelle. So dürfen weder Kindergärten noch Schulen in der Nähe liegen, es darf nur eine Rechtsabbiegespur vorhanden sein und keine eigene Ampel für Linksabbieger (auch kein „Räumpfeil“), weil sonst die Gefahr besteht, dass Rechts- und Linksabbieger kollidieren.

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