Berlin : Großer Glanz und schwarze Abgründe

Als persische Kaiserin war Farah Diba-Pahlavi 1967 in Berlin, heute wirbt sie hier für ihr Buch

Elisabeth Binder

Juni 1967: Fünfzehn Motorradfahrer eskortierten das persische Kaiserpaar durch die Stadt, Hunderte Schaulustige säumten die Straßen Berlins. Dichte Polizeiketten hielten die Demonstranten zurück, die gegen den Schah-Besuch protestierten. Es gab schließlich Tumulte, in deren Verlauf der Student Benno Ohnesorg erschossen wurde.

Am heutigen Dienstag kommt Farah Diba-Pahlavi nach Berlin, um Public Relations für ihre Autobiographie mit dem Titel „Erinnerungen“ zu machen. Aus den Schlagzeilen ist sie inzwischen fast verschwunden. Ein Vierteljahrhundert ist vergangen, seit sie aus ihrer Heimat vertrieben wurde, und seit mehr als zwanzig Jahren ist sie schon Witwe.

Es gab eine Zeit, da hat sie die bunten Blätter voll beherrscht, war Inbegriff für Glanz und Glamour . Die persische Diplomatentochter lebte als Architekturstudentin in Paris, als sie bei einem Botschaftsempfang Reza Pahlavi vorgestellt wurde, der kurz nach der Trennung von seiner zweiten Frau Soraya wieder auf Brautschau war.

Es folgten weitere Begegnungen in Teheran und eine Romanze, die 1959 in einer Märchenhochzeit gipfelte. Danach begann der Countdown für die Geburt eines Thronfolgers ganz ungeniert. Damals war auch Berlin voll erfasst vom Hype um Nachwuchs für den Pfauenthron. Farah Diba folgte als Ehefrau schließlich der deutsch-persischen Soraya nach, die keine Kinder bekommen konnte und deren persönliche Tragödie bis zur Scheidung von den Medien ausgiebig verfolgt worden war.

Der Tagesspiegel erzählte im Oktober 1960 von einer Kioskbesitzerin, die genervt von den vielen einschlägigen Anfragen ihrer Kunden einen Zettel an ihr Fenster heftete mit der Info „Farah Diba hat noch kein Kind“. Ein paar Tage später brachte Farah Diba dann doch einen Thronfolger zur Welt. Drei weitere Kinder folgten im Laufe der Jahre. Farah Diba hat sich in ihrer Zeit als Kaiserin aber auch einen Namen gemacht durch ihr Engagement für die Frauenrechte, für Kulturinitiativen und beispielhafte soziale Programme. Darüber schreibt sie ausführlich in ihrem Buch, in dem dann auch die Flucht vor den radikalen Islamisten im Jahr 1979, die verzweifelte Flucht durch verschiedene Länder und das langsame Sterben des einst mächtigen Schahs, der am Ende nur noch in Ägypten willkommen war, Schattenkontraste setzen zum Glanz der frühen Jahre.

Inzwischen lebt sie in Ägypten, Frankreich und den USA, hat aber das Heimweh nie verloren.

Das Programm der Ex-Kaiserin beschränkt sich nach Angaben des Verlags auf Interviews. Am Mittwoch Abend lädt die Verlegerfamilie Lübbe zu Ehren der berühmten Autorin zu einem Essen ins Adlon ein. Wer daran teilnehmen darf, ist allerdings ebenso geheim wie eventuelle private Unternehmungen von Farah Diba-Pahlavi, zu denen, wie es von Verlagsseite hieß, aber sowieso keine Zeit bleibe. Eine ursprünglich geplante Autogrammstunde im KaDeWe wurde aus Sicherheitsgründen kurzfristig gestrichen.

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