Berlin : Großer Umbau zwischen Urania und Lützowplatz

Wo Bürohäuser standen, entsteht ein Hotel, eine einst gefeierte Wohnanlage weicht Geschäftsbauten

Christian van Lessen

Großabriss zwischen Urania und Lützowplatz: Derzeit wird An der Urania, zwischen Rechnungshof und Hotel „President“, ein früherer Behördenbau aus den siebziger Jahren abgerissen. Hier entsteht ein „Motel One“ mit 410 Zimmern. Das Vier-Sterne-Haus soll Ende 2009 fertig sein. Anfang Juni ist auch der Abriss der ersten Häuser einer Wohnanlage geplant, die vor 25 Jahren für die Internationale Bauausstellung (IBA) entstanden ist.

Von den einstigen Vorzeigebauten der IBA werden zunächst die Häuser Lützowufer 20 und 23 abgerissen, teilte die Dibag Industriebau AG aus München mit. Dann folgen zwei weitere Häuser, beendet soll der Abriss im September sein. Wegen „gravierender Baumängel“ hatte die Dibag bereits 2001 den Abriss der Anlage mit 84 Wohnungen angekündigt. Beim Bau, hieß es, sei gepfuscht worden, Der inzwischen verstorbene Architekt Oswald Mathias Ungers hatte darauf hingewiesen, dass damals nicht die vorgesehenen Materialien verwendet worden seien, bezeichnete den Wohnkomplex aber als erhaltenswert. Ein erster Abrissantrag vor sieben Jahren wurde versagt, zuletzt aber sahen die Behörden keine Möglichkeit mehr, den Abriss zugunsten neuer Gebäude mit Geschäften, Läden, Büros und Wohnungen im hinteren Teil zu verweigern. Eine Mieterinitiative kämpfte jahrelang gegen die Abrisspläne, sprach von einem „Spekulationsobjekt.“. Die Dibag hatte die Grundstücke Ende der neunziger Jahre bei einer Zwangsversteigerung erworben. Noch 2004 bekamen die Fassaden an der Lützowplatzseite einen neuen Anstrich, was die Mieter hoffen ließ.

Vor zwei Jahren war aber bereits etwa die Hälfte aller Wohnungen geräumt, jetzt stehen die letzten Mieter vor dem Auszug. Noch sind auf Balkonen und Terrassen etliche Pflanzen zu sehen, die Grünanlagen aber sind verwaist und zum Teil verwildert. Mit den Häusern voller Maisonettewohnungen, die wie eine hohe Reihenhaussiedlung wirken, wollte die IBA „Introvertiertes Wohnen“ an einem verkehrsreichen Platz demonstrieren, mit Ruhe- und Spielzonen im Inneren und einer Mischung von privaten und halb öffentlichen Räumen. Noch kleben an etlichen Fenstern, hinter denen niemand mehr wohnt, letzte Protestplakate. „Herr Wowereit, engagieren Sie sich doch mal gegen unsere Vertreibung, wir kämpfen um unsere Zukunft am Lützowplatz“. Der Ruf nach dem Beistand des Regierenden blieb vergeblich.

Das Grundstück des einstigen Bürogebäudes An der Urania war vom Unternehmen GBI erworben worden. Motel One ist zurzeit mit 17 Häusern in Deutschland vertreten. Das Haus wird die fünfte Niederlassung der Low-Budget-Kette in Berlin sein. Sie will „Design zu erschwinglichen Preisen in attraktiven Innenstadtlagen“ bieten. Christian van Lessen

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