Berlin : Großes Fußball-Theater am Ku’damm

Zur Schaubühnen-Party traten Kritiker und Schauspieler gegeneinander an

Amélie Fidric

Von so vielen Toren kann Hertha BSC im Moment noch nicht einmal träumen: Bei ihrem Freundschaftsspiel gegen die „Zeit.Genossen SC“ am Samstagabend am Kurfürstendamm gewann die „Kritiker 11“ mit 11:10. Kräfteschonende 40 Minuten lang traten die Theaterkritiker und die Schauspieler zum 41. Geburtstag der Schaubühne gegeneinander an. Der Dramatiker David Giesinger gab den Kommentator, Schiedsrichter war der Pressesprecher der Schaubühne, Yven Augustin. Eigentlich waren die Schauspieler klar im Vorteil: durchtrainiert, eingespielt – und mit Schaubühnen-Chef Thomas Ostermeier als Trainer. Als Vorjahressieger im Turnier gegen die Alte Schaubühne galten sie als klare Favoriten. Auf dem grünen Teppich, der auf dem Lehniner Platz ausgebreitet worden war, spielten die Journalisten im Scheinwerferlicht zum ersten Mal in dieser Aufstellung und hatten sogar noch nie zusammen trainiert. Für die Schauspieler und ihre zahlreichen Fans hätte es ein leichtes Spiel werden sollen, doch es kam alles anders.

Das erste Tor schoss Moritz Schuller vom Tagesspiegel nur eine Minute nach dem Anpfiff um 23.30 Uhr. Das verunsicherte die Schauspieler, die sich fortan in der Offensive versuchten. Das bekamen aber die Zuschauer mehr zu spüren als die Gegenmannschaft. Zwar gelang den Schauspielern der Ausgleich. Doch Julian Hanich – auch er schreibt für den Tagesspiegel – erzielte die erneute Führung. Und dann schoss der Schauspieler Lars Eidinger in einem verzweifelten Versuch ein Bierglas am Spielfeldrand ab.

Obwohl die Schauspieler mit dem Duo Lars Eidinger/Gunnar Teuber am Ende der ersten Spielzeit offenbar die Idealbesetzung gefunden hatten, konnten sie gegen den hartnäckigen Kritiker-Torwart Klaus Gehre („Theater der Zeit“) nur selten punkten. Drei Minuten vor der Halbzeit raubte der Schaubühne ein Eigentor die 5:4-Führung. Dann weckten die Zwischenrufe eines betrunkenen Passanten („Ich will keine korrupten Politiker!“) die Schauspieler für kurze Zeit. Zu Beginn der zweiten Halbzeit nutzten sie den deutlichen Konditionsverlust der Kritiker, um auf 7:5 davonzuziehen. Gegen die kurze Zeit später plötzlich wieder zu Höchstform auflaufenden Kritiker halfen aber nicht einmal Eidingers Fallrückzieher: Schnell gingen sie wieder in Führung. 9:8 stand es inzwischen. „Normalerweise reagieren die Kritiker, kommen in die Aufführung und kritisieren sie“, spottete Gieselmann am Mikrophon, „doch jetzt müssen die Schauspieler reagieren.“ Doch sie schafften es nicht mehr: Den kurzzeitigen Ausgleich durch Eidinger machten Julian Hanich und Volker Corsten („Welt am Sonntag“) zunichte. 11:10. Schlusspfiff.

Am Ende des Spiels zeigten nicht nur die Zuschauer Fairplay, die mit La Ola und Applaus die Sieger feierten, sondern auch Schaubühnen-Trainer Thomas Ostermeier, der den „verdienten Sieg“ der Kritiker anerkannte. Soviel Eintracht zu Beginn der neuen Spielzeit? Alles nur ein gelungener Bluff der Theaterleute?

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