Berlin : Großes Glück im Lotto: Wofür zehn Millionen Euro reichen

Einen Warhol oder einen Nationalstürmer kaufen – ein Zahlenspiel

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Ein Lottogewinn von 9,7 Millionen Euro! Das sind – alle, die gestern davon sprachen, rechneten das um – fast 20 Millionen Mark. Neulich hat jemand bei Günter Jauch so viel Geld gewonnen. Und wäschekorbweise Briefe bekommen, in denen Leute von Schicksalsschlägen oder großen Projekten schrieben. Die Lottogesellschaft leitet solche Post nicht weiter. Der Gewinner muss also allein sehen, was er mit dem Geld macht. Er könnte einen Warhol ersteigern und über den feuchten Fleck an die Wohnzimmerwand hängen.

Genauso gut aber könnte er mit seinem Glück andere beglücken. Ein ebenso schönes wie praktisches Geschenk wäre zum Beispiel ein eigener UBahnhof. Die Anlieger des Potsdamer Platzes haben es mit der Station Mendelssohn-BartholdyPark vorgemacht. Zehn Millionen Euro hat der Bahnhof damals gekostet. Sollte der Gewinner vom Wochenende wie vermutet in Pankow wohnen, wäre eine Verlängerung der U 2 nach Norden ideal. Nachteil: Die neu zu bauenden Gleise kosten extra.

Am anderen Ende derselben U-Bahnlinie, im Olympiastadion, gibt es einen weiteren Patienten, der nach Hilfe schreit: der Sturm von Hertha BSC. Für zehn Millionen Euro Ablöse würde Kaiserslautern Miroslav Klose bestimmt sofort nach Berlin verkaufen. Das Gehalt des Nationalspielers könnte aus Mitteln der Lottostiftung bezahlt werden. Als weiterer Sponsor käme die BVG in Frage: Zufriedene Fans neigen weniger zu U-Bahn-Randale als frustrierte.

Die Berliner Lottogesellschaft hält sich mit Tipps zurück. Dabei könnte sie als Abteilung der Senatsfinanzverwaltung auch um eine Spende für den maroden Landeshaushalt bitten. Doch zehn Millionen Euro würden gerade reichen, um für einen Tag plus den Morgen danach die Zinsen für Berlins Schulden zu bezahlen. Das lohnt nicht wirklich. Da wäre das Geld bei der Berliner Staatsanwaltschaft schon besser angelegt: Für zehn Millionen Euro würde sie sofort die Computer der Amtsgerichte auf den neuesten Stand bringen und so die Justizmühlen in Schwung bringen, verspricht Senatorin Karin Schubert. Und ihre Sprecherin ergänzt: „Wir würden auch 500 Millionen unterbringen.“

Noch mehr Menschen würden sich über eine Finanzspritze fürs geschlossene Sport- und Erholungszentrum (SEZ) an der Landsberger Allee freuen. Schließlich würde ein Scheck über zehn Millionen den Betrieb bis Ende 2004 sichern. Bis dahin dürften auch die Kaufverhandlungen des Liegenschaftsfonds mit potenziellen Betreibern abgeschlossen sein. obs

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