Berlin : Großes Kino

Matthias Oloew

Es gilt, mal wieder etwas vor der Abriss-Birne zu retten – diesmal ist es der Zoo-Palast. Dass er verschwindet, ist zwar noch nicht ausgemacht, aber im Augenblick deutet auch nichts darauf hin, dass sich eine ebenso breite wie starke Front für die Erhaltung dieses Kinos bildet – allen Beteuerungen der Politiker zum Trotz. Der Grund dafür ist einmal mehr das Geld. Weil der große Saal nicht mehr wirtschaftlich sei, soll er weder für den Hausherrn noch für einen Betreiber tragbar sein. Aber der Zoo-Palast ohne den großen Saal ist wie das KaDeWe ohne Feinschmecker-Etage.

Bis jetzt verläuft die Diskussion merkwürdig geräusch- und emotionslos. Darüber reibt sich nicht nur Berlinale-Chef Dieter Kosslick verwundert die Augen. Der Zoo-Palast ist eines der letzten echten Premierenkinos Berlins, wie geschaffen für Glamour-Ereignisse. Auch die Kinos am Potsdamer Platz können dem Bau nicht den Rang ablaufen – entweder sie verstecken sich im Keller (wie im Sony-Center) oder in einem merkwürdig verbauten Haus in der Daimler-City. Klar ist: In zehn, fünfzehn Jahren sind wir froh über dieses unverwechselbare Kino – wenn es dann noch steht. (Seite 11)

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