Berlin : Großes Theater

Berlinale-Start mit Überraschungsgästen: Statt Nicole Kidman und Jude Law kamen zur Premiere von „Cold Mountain“ protestierende Studenten – und Faye Dunaway

Andreas Conrad

Ein toller Film, der alle in den Kinosessel bannt? Nun, man nehme eine Portion Action, mehrere Löffel Liebe, würze das Ganze mit viel Humor, Witz, Selbstironie – und das Publikum wird über manche Länge gnädig hinwegsehen, wird fleißig klatschen und zuletzt rundum zufrieden sein. Bei einer gelungenen Festivalpremiere ist das nicht anders – nur wo bekommen wir an so einem festlichen Abend die Action her? In Cannes und Venedig vermutlich ein echtes Problem, nicht aber hierzulande mit seiner noch immer lebendigen West-Berliner Tradition, so eine Berlinale-Premiere umzufunktionieren zur Plattform für dieses oder jenes Anliegen.

Diesmal waren es die Studenten, die sich den gestrigen Abend vor dem Berlinale-Palast natürlich nicht nehmen ließen, um die Stars der Welt auf die Bildungsnot in unserer glamourösen Metropole hinzuweisen. Erst blieb es bei Flugblättern, Transparenten und Pfeifkonzerten, dann gelang sogar der kurzfristige Durchbruch ins Foyer. Die anwesenden Polizisten, ohne Kampfanzug, sondern nur festivalgerecht in gewohnter Uniform, hatten für eine kurze Weile reichlich zu tun, um die ungeladenen Gäste wieder hinauszuexpedieren.

Kommen wir zur Liebe. Nun ja, mehr zu deren rundem Ergebnis. Im Vorjahr sogar kugelrund, hatte doch Catherine Zeta-Jones noch hochschwanger den Weg an die Spree gewagt. Diesmal ist es die in Kürze anreisende Kate Blanchett (achter Monat!), wie Festivalchef Dieter Kosslick und die Moderatorin der Gala Anke Engelke verkündeten. Und auch Kosslick selbst blickt ja Vaterfreuden entgegen und gibt dies auch gerne vor der Festivalgemeinde zum Besten.

Na, und um Humor, Witz, Selbstironie muss man sich nicht sorgen, wenn Anke vorne auf der Bühne steht. Das tat sie schon im Vorjahr so gut, dass sie gleich noch einmal durfte – zum Glück. Denn bei ihrem flotten Mundwerk kommt die gute Laune wie von selbst, und die Enttäuschung, mit der dieser erste Berlinale-Tag begonnen hatte, zerrann von Minute zu Minute.

Am Mittwoch war bekannt geworden, dass Nicole Kidman nicht kommen würde, gestern nun musste auch noch Jude Law gestrichen werden. Damit stand also „Cold Mountain“ plötzlich ohne Superstars da, und Regisseur Anthony Minghella hatte nur Nebendarsteller wie Philip Seymour Hoffman und Brendan Gleeson zur Seite. Bei Kidman waren die Gründe nicht ganz klar: Dreharbeiten – hieß es von der zuständigen PR-Firma. Familiäres – sagte Harvey Weinstein, Co-Chairman der Produktionsfirma Miramax. Bei Jude Law dagegen wurden übereinstimmend Dreharbeiten genannt. Gerne hätte er Law für einen Tag freigekauft, sagte Weinstein bei der Pressekonferenz zu „Cold Mountain“, aber Mike Nichols’ Drehplan für „Closer“ sei einfach zu eng.

Spekuliert wurde aber auch, ob nicht das Dinner der Oscar-Nominierten, das mit dem 9. Februar früher als sonst stattfindet, der Hintergrund für diese und andere Absagen wie der von Nick Nolte sein könnte. Zumal die Berlinale ihre Funktion als Katalysator potenzieller Oscar-Nominierungen verloren hat: Diesmal steht in Hollywood schon alles fest.

Doch warum auch immer – die Leitsterne der Eröffnungsfeier fehlten, daran war nicht zu rütteln, obwohl sonst alles wie gewohnt ablief. Nun gut, die weißen Tulpen am Rand des roten Teppich haben die Amaryllis der letzten Jahre abgelöst. Manche ließen arg die Köpfe hängen, die Schwerkraft fordert ab einer gewissen Stiellänge doch ihren Tribut. Aber auf solche kleinen Dinge achtet einer nicht, der im Blitzlichtgewitter steht. Die Berliner Stammgäste bei solchen Veranstaltungen waren wieder zahlreich vertreten, vorneweg Vadim Glowna, sodann Iris Berben, Daniel Brühl mit Jessica Schwarz, Christiane Paul, Michael Ballhaus und aus der Politik Klaus Eichel, Jürgen Trittin, Antje Vollmer, Klaus Wowereit und Kulturstaatsministerin Christina Weiss. Claudia Schiffer ließ sich ausgiebig fotografieren, Armin Mueller-Stahl ebenso, und dann erschien sogar noch ein Überraschungsgast, der manchem jungen Blut die Schau stahl: Faye Dunaway. Auch sie würde man an diesem Abend noch auf der Leinwand sehen, bei der Retrospektive. Wie hatte doch Warren Beatty sich und seine Partnerin im Film vorgestellt? „Mein Name ist Clyde Barrow, und das ist Bonnie Parker. Wir rauben Banken aus.“

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