Berlin : Großflughafen Berlin-Brandenburg: Leipzig brauchte auch zehn Jahre

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Die Berliner Planer sind überzeugt, dass sie ihren Zeitplan trotz aller Widrigkeiten fast noch einhalten können und der neue Flughafen Berlin-Branenburg International (BBI) Ende 2007/Anfang 2008 eröffnet wird. Die Weichen für den Ausbau Schönefelds wurden unabhängig vom Privatisierungsversuch der Flughafengesellschaft von den flughafeneigenen Planern unter öffentlicher Regie gestellt. Auch das Genehmigungsverfahren wurde von der - noch - staatlichen Flughafengesellschaft eingeleitet.

Erst im Mai 1996 war nach langen Querelen Schönefeld als Standort des künftigen Alleinflughafens für Berlin und Brandenburg ausgewählt worden, obwohl die stadtnahe Anlage zuvor in einem Raumordnungsverfahren zum schlechtesten Standort erklärt worden war. Gut drei Jahre später konnten die Planer die Unterlagen für das derzeit wohl größte Verkehrsprojekt in Europa für das so genannte Planfeststellungsverfahren einreichen, verpackt in 49 Ordner.

Etwa 67 000 Personen hatten Einwendungen gegen die Planung vorgebracht. An der öffentlichen Erörterung in diesem Jahr nahmen aber wider Erwarten nur verhältnismä ßig wenige der Kritiker teil. Die Planer erwarten, dass der Genehmigungsbeschluss bis Anfang 2003 vorliegen kann - rund ein Jahr später als ursprünglich angenommen. Weil der Flughafen nach dem Bundesverkehrswege-Beschleunigungsgesetz gebaut werden soll, ist eine Klage gegen den Beschluss nur in einer Instanz vor dem Bundesverwaltungsgericht möglich, die innerhalb eines Jahres entschieden werden soll.

Baubeginn könnte dann 2004 sein, wobei vorbereitende Arbeiten auch vor dem Gerichtsentscheid möglich sind, wenn sie nicht ausdrücklich von den Richtern untersagt werden. Eingeleitet ist bereits die Umsiedlung der Ortschaft Diepensee. Der Umzug soll Ende 2003 abgeschlossen sein.

Einen Verfahrensfehler hat allerdings das Oberverwaltungsgericht Brandenburg moniert und den gemeinsamen Landesentwicklungsplan Brandenburg-Berlin, in dem Schönefeld als Flughafenstandort festgelegt wurde, für nichtig erklärt. Die klagenden Gemeinden waren vorher nicht ausreichend angehört worden. Eine weitere Klage mit diesem Hintergrund läuft noch. Die Anhörungen können jedoch nachgeholt werden; die Vorbereitungen dazu laufen auch.

"Im Vergleich mit Leipzig brauchen wir uns nicht zu verstecken", sind die Berliner Planer überzeugt. Leipzig und Halle hatten gleich nach der Wende beschlossen, gemeinsam den Flughafen Schkeuditz auszubauen, während sich die Politiker in Berlin und Brandenburg mit der Standortentscheidung bis 1996 Zeit ließen. Schon 1993 beschloss man in Schkeuditz, ein neues Abfertigungsgebäude zu bauen. Ein Jahr später wurde der Grundstein gelegt, und 1996 Terminal B eröffnet.

Ende 1994 lag auch die Genehmigung für den Ausbau der zentralen Flughafenbereiche vor, und 1995 begann das Genehmigung sverfahren für den Bau der neuen Startbahn. Die Bagger rückten drei Jahre später an, und Anfang 2000 war die 3,6 Kilometer lange Piste fertig - knapp zehn Jahre nach den ersten Ausbaubeschlüssen. Viel länger würde der wesentlich umfangreiche Ausbau nach den derzeitigen Plänen auch in Berlin nicht dauern.

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