Berlin : Großflughafen Berlin-Brandenburg: The show must go on

Stefan Jacobs

Die Megafone sind verstummt. Sechs Wochen nach Beginn der öffentlichen Anhörungen zum geplanten Großflughafen Berlin-Schönefeld zünden zwar Gegner wie Planer noch vereinzelt verbale Blendgranaten, doch nun dominiert die Sachdiskussion. Oft kommen kaum noch hundert Betroffene in die riesige Rathenau-Halle in Berlin-Schöneweide, deren Benutzung einschließlich Technik und Sicherheitsdienst mehr als 80 000 Mark pro Anhörungstag kostet. Für die schwache Resonanz dürfte es drei Gründe geben: Für Brandenburger ist der Veranstaltungsort schlecht zu erreichen, die Anhörungszeiten sind nach wie vor bürger-unfreundlich und das Desinteresse ist groß.

Auf dem Podium vor den knapp fünftausend leeren Stühlen sitzt neben der Versammlungsleitung und Experten der Bahn täglich auch die Prominenz der Flughafen Berlin-Schönefeld GmbH, die den Airport bauen will. Zu Beginn der zweiwöchigen Sommerpause zog sie jetzt vor der Presse Zwischenbilanz. Die heiklen Themen Standort und Fluglärm seien praktisch erledigt, sagte Volker Gronefeld, Anwalt der Gesellschaft. "Wenn die Anhörungsbehörde bei uns nach weiteren Unterlagen fragt, heißt das nicht, dass unsere Unterlagen fehlerhaft sind", erklärte er mit Blick auf eine Anweisung des Versammlungsleiters aus der vergangenen Woche. Dieser hatte die Planer aufgefordert, bis zum 15. August überarbeitete Lärmkarten vorzulegen, in denen die betroffenen Gebiete genauer aufgeschlüsselt sein sollen. Auf Basis solcher Karten soll der Anspruch von Anwohnern auf Schallschutzfenster oder isolierende Dächer ermittelt werden.

Die Flughafengegner hatten frohlockt, dass sich bei einer Neuberechnung das lärmbelastete Gebiet vergrößern werde. Die Planer winken ab. Projektleiter Ulrich Schindler sagte, es müssten lediglich die vorhandenen Daten "noch einmal durch den Rechner laufen". Sollten sich bei den Berechnungen doch größere, belastete Zonen ergeben als bisher, hätten möglicherweise mehr Anwohner Anspruch auf Schallschutz, was wiederum die Kosten für den Flughafen steigern würde. Laut Schindler bleibt die Berechnungsgrundlage juristisch unsicher, solange eine Novelle des Fluglärmgesetzes nicht beschlossen ist. Sie wird zurzeit erarbeitet. Man habe künftige Regelungen "in vorauseilendem Gehorsam" berücksichtigt.

Anlass für weitere Nachbesserungen an den Unterlagen sieht die Flughafen-Gesellschaft trotz wachsender Kritik nicht. Nachdem anfangs vor allem Flughafengegner und mehrere Brandenburger SPD-Politiker die Qualität der Dokumente moniert hatten, hatte sich vor einigen Tagen auch der renommierte Gutachter Arnim Bechmann geäußert: Ein Großteil der Unterlagen sei "durch und durch löchrig", lautete sein Fazit. Je sachlicher die Diskussion werde, desto größere Schwächen würden sich zeigen.

Einen Beitrag zur sachlichen Diskussion dürfte auch das Ende einer Werbeaktion der Flughafen-Gesellschaft leisten. Sie hatte mit Arbeitsplatzversprechen und positiven Umfrageergebnissen für den Ausbau von Schönefeld geworben. Der Verein der Flughafengegner hatte die Plakat-Aktion als Provokation "im übelsten Propaganda-Stil" bezeichnet und gerade begonnene Gespräche mit den Planern abgebrochen. Projektsprecher Burkhard Kieker sagte, die jetzt noch in der Stadt klebenden Plakate seien nur Reste der vor zwei Wochen beendeten Kampagne. "Wir wollten zeigen, dass die Stimmung in der Region für den Flughafen ist", fügte er hinzu. Zu den Kosten der Aktion wollte er sich nicht äußern.

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