Berlin : Großflughafen im Kleinformat

Grüne wollen mit neuem Konzept 500 Millionen Euro Baukosten sparen

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Schönefeld Die Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus haben gestern ein Alternativkonzept für den geplanten Großflughafen in Schönefeld vorgestellt. Damit könnten bei gleicher Kapazität die Kosten um 500 bis 800 Millionen Euro gesenkt und die Umweltbelastung verringert werden, sagten die Abgeordneten Claudia Hämmerling und Oliver Schruoffeneger. „Wir stehen zum Standort Schönefeld, denn er ist Voraussetzung für die Schließung von Tempelhof und Tegel“, sagte Claudia Hämmerling. Aber der grüne „Plan B“ könne das wirtschaftliche und juristische Risiko des Milliardenprojektes verringern, sagte Schruoffeneger.

Die Grünen fordern, das Abfertigungsgebäude kleiner als geplant zu gestalten und Billigfliegern dafür ein Billig-Terminal zu errichten. Anderenfalls müsste der Flughafen allen Gesellschaften die gleichen Gebührennachlässe gewähren, was eine Refinanzierung der Neubaukosten unmöglich mache. Um den Geländebedarf für den Flughafen einzuschränken und die Umwelt weniger zu belasten, wollen die Grünen die Startbahnen kürzer als 4000 Meter halten und ihren Abstand auf das vorgeschriebene Mindestmaß von 1035 statt 1900 Metern verringern. Die Stellflächen für Flugzeuge sollen um ein Drittel reduziert werden.

Auch auf den unterirdischen Bahnhof wollen die Grünen verzichten. Ein Pendelbus von der vorhandenen Station reiche aus. Diese aber solle von allen ICE’s, die in Berlin enden, angefahren werden.

Senatssprecher Michael Donnermeyer wies die Vorschläge zurück: „Wir haben ein durchdachtes, finanzierbares und vernünftiges Konzept“, an dem festgehalten werde. In Schönefeld sei ein Flughafen für zunächst 20 Millionen Passagiere geplant, den man später an steigende Zahlen angepassen können müsse.

„Olle Kamellen“ nannte Flughafensprecher Ralf Kunkel die Vorschläge der Grünen. Eine Startbahnlänge von 4000 Metern werde von einigen Maschinen unter bestimmten Bedingungen benötigt. Der beste Abstand der Bahnen sei in einem umfangreichen Verfahren ermittelt worden.

„Die Grünen kommen fünf Jahre zu spät“, sagte ein Sprecher des Brandenbuger Bauministeriums. Ohne neues Planfeststellungsverfahren könne das Bauvorhaben, über das das Bundesverwaltungsgericht im kommenden Jahr entscheiden will, nicht geändert werden. Hämmerling wies das zurück: Sie wisse nicht, für welche der vorgeschlagenen Maßnahmen ein neues Verfahren nötig sei.

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