Berlin : Großflughafen: Kritisierte Investoren bleiben im Rennen

kt/va/ek/HB

Das umstrittene Milliarden-Projekt des Großflughafens Berlin-Brandenburg International (BBI) steht vor der Stunde der Wahrheit. Am Freitag will nach Informationen des Tagesspiegels und des Handelsblattes der Aufsichtsrat der Projektplanungsgesellschaft Schönefeld (PPS) beschließen, die Verhandlungen zu dem Kauf- und Ausbauangebot des Industriekonsortiums um die Baukonzerne Hochtief und IVG aufzunehmen. In der ersten Runde war es noch als nicht verhandlungsfähig bezeichnet worden. Das Konsortium musste sein Angebot deshalb nachbessern.

Nach monatelangen Auseinandersetzungen hinter verschlossenen Türen hatte Hochtief jetzt offiziell den Druck auf die Berlin-Brandenburger Politik verstärkt. Hochtief-Vorstandschef Hans-Peter Keitel sagte am Montag in Mexiko auf der Südamerika-Reise mit Bundeskanzler Schröder zur Nachrichtenagentur vwd: "Das ist für beide Seiten die letzte Chance". Weitere Nachbesserungen schloss er aus. In den Verhandlungen wollen die Gesellschafter aber ein besseres Ergebnis erreichen, zufrieden sind sie mit dem Angebot bisher nicht.

Der angebotene Kaufpreis von 240 Millionen Mark liegt immer noch unter dem Wert der Flughafengesellschaft, den diese von einem Gutachter ermitteln ließ. Außerdem drängen die Altgesellschafter darauf, den Zeitplan einzuhalten, wonach der Flughafen 2007 eröffnet werden soll. Das Konsortium will den Termin auf 2011 verschieben.

Wie zu erfahren war, liegen dem Aufsichtsrat der PPS zwei Angebotsvarianten vor - ein Kaufangebot und ein Pachtangebot. Auf diese Weise hat das Konsortium sein ursprünglich im Juli 2001 abgegebenes Angebot im November modifiziert. Es erwartet aber in beiden Fällen eine kräftige staatliche Beteilung an den Investitionen. Denn nach Ansicht der Unternehmen, die den neuen Airport bauen und als Konzessionäre betreiben wollen, kann sich das Projekt nur auf diese Weise rechnen. Im Gespräch ist eine Summe von 3 Milliarden Mark. Über die neuen Angebote des Konsortiums haben der Bundesrechnungshof sowie die Rechnungshöfe der Länder Berlin und Brandenburg gerade jeweils ein "streng vertrauliches" Gutachten erstellt, das den Gesellschaftern inzwischen vorliegt.

Die Passagiergebühr, die das Konsortium von jedem in Berlin startenden Fluggast jetzt abkassieren will, soll im neuen Angebot fünf Euro betragen und damit weniger als die bisher vorgesehenen 16,80 Mark.

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