Großflughafen : Lufthansa will mit Billigflügen in Schönefeld punkten

Der Marktführer greift andere Billiganbieter wie Ryanair und Easyjet an. Als neue Ziele werden vom Großflughafen aus Barcelona, Birmingham und Istanbul angeflogen.

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Lufthansa gibt endlich Einblick in seine Pläne für den neuen Berliner Flughafen.
Lufthansa gibt endlich Einblick in seine Pläne für den neuen Berliner Flughafen.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Selten war etwas so geheim, wie die Pläne der Lufthansa am künftigen Flughafen Berlin Brandenburg "Willy Brandt" in Schönefeld, der am 3. Juni 2012 eröffnet werden soll. Am Mittwoch hat der Konzern seine Strategie endlich vorgestellt. Der deutsche Marktführer kündigte einen deutlichen Ausbau seines Angebots am Hauptstadtflughafen an. Die Airline mit dem Kranich wird künftig von Berlin aus zu 38 Zielen aufbrechen - statt bisher zu acht. Mit einem Inklusiv-Einstiegspreis von 49 Euro für einen einfachen Flug in Europa nimmt die Lufthansa dabei Ryanair und Easyjet ins Visier.

Lufthansa bezifferte die Berlin-Investition auf 60 Millionen Euro. 200 neue Flugbegleiter werden von Dezember an gesucht, hinzu kommen 120 Piloten. Die Zahl der Arbeitsplätze in Berlin und Brandenburg soll insgesamt von 3500 auf 4000 steigen.

Der Konzern will besonders vom stark wachsenden Berlin-Tourismus profitieren. Neu im Streckennetz sind etwa Barcelona, Birmingham und Istanbul. Stockholm, London und Paris sollen zweimal am Tag erreichbar sein. Die Flugzeuge der Tochter Germanwings tragen künftig den Markenzusatz "Lufthansa Group", wie Spohr ankündigte.

Seit Monaten läuft bei ihr das Projekt "Zukunft Berlin", mit dem sich der Konzern auf den Start am künftigen Flughafen in Schönefeld vorbereitet hat. Ziel war es, den "Ausbau der Marktposition am Standort Berlin" zu untersuchen. So ohne Weiteres will Lufthansa das hiesige Feld nicht dem Konkurrenten Air Berlin überlassen, der zwar tief in der Krise steckt, den Flughafen aber innerhalb des Unternehmenverbundes zu einem Drehkreuz ausbauen will.

Lufthansa operiert im Berlin-Verkehr bisher vor allem mit Tochterunternehmen. Insgesamt acht fliegen von und nach Schönefeld oder Tegel. Der Kranich am Heck zeigt sich bisher vor allem bei innerdeutschen Flügen sowie bei Auslandsverbindungen nach Paris und Moskau.

Das Debakel um den neuen Flughafen in Bildern
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13.12.2013 10:52Ende August 2012 hatte der Regierende Bürgermeister und Aufsichtsratvorsitzende des BER, Klaus Wowereit, noch die Verantwortung...

Allerdings spart der Konzern auch nicht mit Kritik. Bereits die neue Gebührenstruktur hat ihm nicht geschmeckt, am Dienstag bemängelte nun der Berlin-Chef der Lufthansa, Thomas Kropp, die Straßenanbindung des Flughafens nach Berlin, die seiner Ansicht nach noch nicht optimal ist. Zu Stoßzeiten drohten Staus. Was verbessert werden sollte, war allerdings nicht zu erfahren. Die Hauptanbindung des Flughafens erfolgt über die Autobahnen A 113 und A 100, wobei bereits jetzt vor allem vor dem Britzer Tunnel häufig wegen des hohen Verkehrsaufkommens eine Spur der Autobahn gesperrt werden muss oder der Tunnel vollständig geschlossen wird.

Deshalb soll nach den Plänen der Stadtentwicklungsverwaltung bis zur Eröffnung des Flughafens ein neues Informations- und Leitsystem, Airvis genannt, installiert werden, das Autofahrer staufrei vom und zum Flughafen bringen soll – mit Informationen auf Schildern, aber auch direkt über Navigationsgeräte.

Kropp verlangte auch mehr Zugverkehr am Flughafen. Die Bahn solle sich nicht darauf beschränken, nur S-Bahnen oder Regionalzüge dort halten zu lassen. Zum Fahrplanwechsel eine Woche nach der Eröffnung des Flughafens lässt die Bahn allerdings auch Fernzüge im Bahnhof unter dem Terminal halten, unter anderem bei Verbindungen aus Köln, Münster und Hannover sowie Amsterdam- Schiphol. Auch der Eurocity „Wawel" von Hamburg nach Krakau legt im Flughafenbahnhof einen Stopp ein.

Bei den Verbindungen nach und von Polen mahnte am Dienstag auch Flughafenchef Rainer Schwarz Verbesserungen an. Das Angebot insgesamt sei "katastrophal", was nicht an der polnischen Seite liege. Bereits heute kommen rund zehn Prozent der Passagiere in Schönefeld aus Polen – in der Regel mit dem Auto oder per Kleinbus. (mit dapd/dpa)

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