Berlin : Großflughafen ohne Giganten

19.08.2006 00:00 UhrVon -

Lieber nachrüsten: Beim Schönefeld-Neubau verzichten die Planer auf Anlagen für den Airbus A 380

Auf dem neuen Großflughafen in Schönefeld werden – zumindest vorerst – keine ganz großen Flugzeuge landen. Auf einer der weltweit modernsten Anlagen gibt es bei der Eröffnung keinen Platz für das derzeit modernste Flugzeug, den Airbus A 380, der 550 bis 850 Passagiere aufnehmen kann. Denn der Flughafen Berlin-Brandenburg International (BBI) wird erst einmal nur für kleinere Flugzeuge ausgelegt sein. Allerdings werde so gebaut, dass die Anlagen später bei Bedarf für den großen Airbus umgebaut werden könnten, sagt Flughafensprecher Ralf Kunkel. In Deutschland werden so zunächst nur die Flughäfen in Frankfurt am Main und München die A 380 abfertigen können.

Bisher habe keine Fluggesellschaft den Wunsch geäußert, mit dem Riesenairbus nach Berlin fliegen zu wollen, sagte Kunkel dem Tagesspiegel. Deshalb werde man darauf verzichten, sofort Abfertigungsanlagen für den brandneuen Flugzeugtyp zu bauen. Der doppelstöckige Airbus erfordert Zugangsbrücken auf zwei Etagen sowie besonders große Warteräume. Solange es dafür keine Nachfrage gebe, sei der Aufwand nicht gerechtfertigt, sagt der Flughafensprecher. Start- und Landebahnen sowie die Vorfeldflächen seien aber von Anfang an so konzipiert, dass auch das größte Flugzeug der Welt auf dem BBI-Flughafen manövrieren könne.

Dass BBI ein drittes großes Drehkreuz in Deutschland wird, das Frankfurt am Main und München Konkurrenz machen könnte, glaubt inzwischen so gut wie niemand mehr. Die BBI-Planer setzen deshalb auf den Verkehr mit kleineren Maschinen, die viele Direktverbindungen ermöglichen. Der Airbus A 380 aber wird nur auf Strecken mit sehr vielen Passagieren zu weltweit relativ wenigen Zielen wirtschaftlich eingesetzt werden können. Ziel der Flughafengesellschaft sei es, den neuen Airport kostengünstig zu bauen, sagte Flughafenchef Rainer Schwarz. Bei der Planung sei dies inzwischen gelungen; BBI sei nicht teurer als der als Vorbild geltende Flughafen London-Stansted. Behauptungen, durch den BBI-Neubau würden sich die Gebühren für die Fluggesellschaften verdoppeln, seien falsch. Wie hoch die Sätze in fünf oder sechs Jahren sein werden, könne heute niemand sagen. Klar sei, dass es auf dem BBI „marktbezogene“ Gebühren gebe, die konkurrenzfähig zu anderen Flughäfen seien. Alles andere wäre „Wahnsinn“, sagte Schwarz. Bei der Zahl der Arbeitsplätze ist man schon erfolgreich. Heute sind auf den drei Berliner Flughäfen 15 519 Menschen beschäftigt, 1052 mehr als 2005. Statistisch kommen jeden Tag zwei neue Jobs hinzu. Die Flughafengesellschaft selbst hat 1583 Mitarbeiter; 4,2 Prozent weniger als 2005.

Eine Ausstellung zum BBI und zur „Jobmaschine“ ist bis zum 30. August in den Potsdamer Platz Arkaden zu sehen.

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